Bildungsgutschein – Weiterbildungsförderung

Der sogenannte Bildungsgutschein dient zur Ermöglichung der Teilnahme an bestimmten Weiterbildungsmaßnahmen. Er kann von arbeitslosen und berufstätigen Menschen bei Vorliegen der notwendigen Voraussetzungen genutzt werden. Durch die Ausstellung sichert die Bundesagentur die Übernahme der Kosten der Weiterbildungsmaßnahme zu, sofern die Maßnahme und deren Träger entsprechend zugelassen sind.

Das Wichtigste in Kürze

Wie bekomme ich einen Bildungsgutschein?

Ausgestellt wird der Bildungsgutschein nach einem persönlichen Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, wie bspw. die Dienlichkeit der Maßnahme zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt oder die Abwendung einer drohenden Arbeitslosigkeit.

Wie funktioniert ein Bildungsgutschein?

Ein Bildungsgutschein ist begrenzt gültig und kann während seiner Gültigkeitsdauer für zugelassene Bildungsmaßnahmen eingelöst werden. Mit der Einlösung des Gutscheins werden die Weiterbildungskosten von der Agentur für Arbeit übernommen.

Wie lange darf eine Weiterbildung mit Bildungsgutschein dauern?

Ein Bildungsgutschein ist maximal drei Monate einlösbar und muss nach dieser Zeit ggfs. neu ausgestellt werden.

Voraussetzungen für den Erhalt eines Bildungsgutscheins

Grundsätzlich sollten die Bezieher eines Bildungsgutscheins eine abgeschlossene Berufsausbildung oder drei Jahre berufliche Praxis vorweisen können. Der Bildungsgutschein muss dazu dienen

  • den arbeitslosen Leistungsbezieher beruflich einzugliedern oder
  • den Eintritt einer konkret drohenden Arbeitslosigkeit abzuwenden oder
  • einen Berufsabschluss nachzuholen.

Es ist also nicht zwingend notwendig bereits Arbeitslosengeld zu beziehen, um einen Bildungsgutschein zu erhalten. Die drohende Arbeitslosigkeit einer noch berufstätigen Person ist ebenso zu berücksichtigen!

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Ausstellung des Bildungsgutscheins

Ausgestellt wird der Bildungsgutschein nur nach einem persönlichen Gespräch mit dem zuständigen Berater der Arbeitsagentur vor Beginn der Weiterbildungsmaßnahme. Die Agentur für Arbeit kann frei entscheiden, ob ein Bildungsgutschein ausgestellt wird oder nicht.

Entscheidend sind die konkreten Umstände des Einzelfalls. So ist bspw. zu beachten, ob eine Eingliederung auch ohne die Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme wahrscheinlich ist oder ob das angestrebte Bildungsziel tatsächlich zu einer Verbesserung der Chancen auf eine berufliche Wiedereingliederung führt.

Durch die Ausstellung des Bildungsgutscheins wird neben der Kostenübernahme für eine geeignete Maßnahme auch das Vorliegen der Bezugsvoraussetzungen bestätigt.

Inhalte des Bildungsgutscheins

Der Bildungsgutschein benennt unter anderem die Voraussetzungen, unter denen eine Einlösung erfolgen kann. Dies sind im Wesentlichen

  • das angestrebte Bildungsziel,
  • die zu dessen Erreichen notwendige Dauer,
  • die Gültigkeitsdauer des Bildungsgutscheins (in der Regel bis zu drei Monate) und
  • der örtliche Geltungsbereich des Bildungsgutscheins.

Gültigkeit und Einlösung des Bildungsgutscheins

Der Bildungsgutschein ist maximal drei Monate gültig. Innerhalb dieser Zeit muss die Einlösung erfolgen. Wichtig ist außerdem, dass die Ausstellung des Bildungsgutschein vor Beginn der Weiterbildungsmaßnahme erfolgt. Nach Ablauf der Gültigkeitsdauer verfällt der Gutschein, sodass er gegebenenfalls neu ausgestellt werden muss.

Einlösung nur für zugelassene Maßnahmen

Die Einlösung des Bildungsgutscheins ist nur bei für die Weiterbildungsförderung von zum Zeitpunkt des Beginns der Bildungsmaßnahme zugelassenen Trägern zur Teilnahme an ebenfalls zugelassenen Maßnahmen möglich. Die Zulassung des Trägers und der Bildungsmaßnahme als Solches sind zertifiziert und beim Träger durch Einsicht in das entsprechende Zertifikat zu erfragen. Ebenso enthält die Datenbank KURSNET der Bundesagentur für Arbeit Hinweise auf zertifizierte Bildungsangebote.

Bestehen Zugangsvoraussetzungen für die Teilnahme an der Bildungsmaßnahme, muss der Inhaber des Bildungsgutscheins diese erfüllen. Bei der Einlösung bestätigt der Träger der Bildungsmaßnahme die Teilnahme des Gutscheininhabers und legt diese Bestätigung der Bundesagentur für Arbeit vor.

Kostenübernahme durch die Einlösung des Bildungsgutscheins

Die erfolgreiche Einlösung eines Bildungsgutscheins führt zur Übernahme der Weiterbildungskosten durch die Bundesagentur für Arbeit, soweit diese nicht durch Dritte, wie beispielsweise den Arbeitgeber, gedeckt werden.

Die maximale Höhe eines Bildungsgutscheins

Eine maximale Höhe der Kosten für einen Bildungsgutschein gibt es nicht, die Übernahme der Kosten wird immer individuell entschieden und kann bis zu 100% betragen.

Lehrgangskosten

Die Lehrgangskosten sind Bestandteil der Weiterbildungskosten. Hierzu gehören die Gebühren für die Teilnahme am Lehrgang sowie den anerkannten Prüfungen und Zwischenprüfungen (§ 84 SGB III). Ebenfalls als Lehrgangskosten anzusehen sind Kosten für notwendige Lernmittel und Arbeitskleidung sowie im Rahmen einer notwendigen Eignungsfeststellung anfallende Kosten.

Kosten für auswärtige Unterkunft und Verpflegung

Ebenfalls zu den Weiterbildungskosten zählen Kosten für auswärtige Verpflegung und Unterkunft, sofern diese notwendig ist.

Eine auswärtige Unterbringung ist notwendig, wenn ein Pendeln zwischen dem Wohnort und dem Ort der Weiterbildungsmaßnahme nicht zumutbar ist. Hier gelten die Ausführungen hinsichtlich der Zumutbarkeit einer Beschäftigung entsprechend. Daneben muss tatsächlich eine Unterkunft am Ort der Weiterbildung bezogen werden und die bisherige Unterkunft am Wohnort bestehen bleiben.

Liegen diese Voraussetzungen vor, werden die Kosten für auswärtige Unterkunft und Verpflegung in folgender Höhe übernommen (§ 86 SGB III).

Art der Kostenpauschal pro Tagmaximal pro Kalendermonat
Unterkunft60,00 Euro420,00 Euro
Verpflegung24,00 Euro168,00 Euro

Fahrtkosten

Fahrtkosten für die Fahrt zwischen Wohnung und dem Weiterbildungsort sind im Rahmen der Weiterbildungskosten zu übernehmen. Gleiches gilt bei der Notwendigkeit einer auswärtigen Unterbringung für die Fahrt zwischen der Unterkunft und der Weiterbildungsstätte. In diesem Fall sind zudem die Kosten für eine Heimfahrt pro Monat zu tragen (§ 63 SGB III).

Die Fahrtkosten sind im Rahmen einer Entfernungspauschale auf Grundlage der kürzesten Straßenstrecke zu bemessen. Die Kosten sind auch für im Ausland liegende Wegstrecken zu übernehmen.

Die Fahrtkosten werden gemäß § 63 Abs. 3 SGB III in der Höhe des Betrags übernommen, der bei der Nutzung des zweckmäßigsten regelmäßig verkehrenden öffentlichen Verkehrsmittels in der niedrigsten Klasse zu bezahlen ist.

Die Höhe der Fahrtkosten ist auf den Maximalbetrag, der für eine auswärtige Unterbringung zu erstatten wäre, begrenzt (420,00 Euro Unterkunft + 168,00 Euro Verpflegung = 588,00 Euro maximale Fahrtkosten zwischen Wohnung und Bildungsstätte pro Monat).

Bei der Nutzung sonstiger Verkehrsmittel sind laut Wegstreckenentschädigungsgesetz 0,20 Euro pro gefahrenen Kilometers zu übernehmen.

Gleiches gilt für die Kosten der Familienheimfahrt, die grundsätzlich für jeden vollen Zeitmonat zu erstatten ist. Als Familienheimfahrt gilt auch die Fahrt eines Angehörigen an den Ort der Bildungsmaßnahme.

Kinderbetreuungskosten

Kosten der Kinderbetreuung, die im Zeitraum der Teilnahme an einer Weiterbildungsmaßnahme entstehen, sind ebenfalls im Rahmen der Weiterbildungskosten bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen zu übernehmen. Die Übernahme der Kosten erfolgt mit einem Betrag in maximaler Höhe von 150,00 Euro pro Monat und Kind.

Die Kinderbetreuungskosten werden jedoch nur dann übernommen, wenn das zu betreuende Kind aufsichtsbedürftig ist. Dies ist in der Regel der Fall, wenn das Kind noch nicht 15 Jahre alt ist.

Als Kosten der Kinderbetreuung sind Gebühren für Kindergarten oder Kinderhort, Aufwendungen für die Betreuung durch Verwandte oder Nachbarn sowie die Kosten einer Tagesmutter anzusehen. Nicht als Kinderbetreuungskosten zählen Aufwendungen für Verpflegung.

Anspruch auf Arbeitslosengeld während der Weiterbildung

Bezieht der Teilnehmer der Weiterbildungsmaßnahme Arbeitslosengeld, dann hat er auch während der Maßnahme weiterhin so lange Anspruch darauf, wie die Maßnahme dauert. Nach Abschluss der Maßnahme verbleibt sogar ein Restanspruch von 30 Tagen – das ist ein großer Vorteil gegenüber dem klassischen Arbeitslosengeld! Lesen Sie mehr dazu unter Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung.

Zuletzt aktualisiert: 27.04.2021