Krankschreibung per Telefon

Kranker Mann im Bett mit Fieberthermometer und Telefon

Aufgrund der aktuellen Situation in der Corona-Krise sind Ärzte unter bestimmten Voraussetzungen dazu befugt, ihren Patienten per Telefon eine Krankschreibung bzw. Arbeitsunfähigkeit (AU) auszustellen. Insbesondere für Patienten mit leichten Erkrankungen der oberen Atemwege ist dies eine große Erleichterung, da keine Arztpraxis mehr aufgesucht werden muss. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung bestätige diese Vorgehensweise am 23. März 2020.

In welchen Fällen ist eine Krankschreibung übers Telefon möglich?

Eine Krankschreibung via Telefon ist möglich, wenn eine leichte Erkrankung der oberen Atemwege vorliegt. Wenn es sich um einen Verdachtsfall einer Infektion mit dem Corona-Virus handelt, können Ärzte ihren Patienten über das Telefon ebenfalls die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Handelt es sich bei der erkrankten Person mit diesen Symptomen um Ihr Kind, stellt der Arzt telefonisch eine ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld aus. Diese ist jedoch auf eine Woche begrenzt.

Gibt es besondere Fristen für die Regelung?

Obwohl die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihre Erklärung erst am 23. März 2020 veröffentlichte, ist diese Regelung bereits seit dem 10. März 2020 in Kraft getreten. Sie galt vorerst bis zum 23. Juni 2020. Nachdem die Regelung am 17.04.2020 zunächst wieder gekippt wurde und ab 20.04.2020 nicht mehr gelten sollte, hagelte es massenweise Kritik und Proteste, so dass die Regelung wieder aufgenommen wurde und bis 04. Mai 2020 und schlussendlich bis 31. Mai 2020 verlängert wurde.

Regelung soll bis 31.12.2020 gelten

Mit Wirkung vom 19. Oktober 2020 einigten sich Regierung, Ärzte und Krankenhäuser sowie Krankenkassen darauf, dass die Regelung zur telefonischen Krankschreibung aufgrund der Corona-Krise bis zum 31. Dezember 2020 gelten soll. Eine weitere Verlängerung darüber hinaus ist zunächst nicht geplant, so dass Arbeitnehmer für eine Krankmeldung ab dem 01. Januar 2021 wieder den Arzt aufsuchen müssen.

Wo bekommt man die telefonische Krankschreibung?

Betroffene Patienten können sich bei ihrem Hausarzt bzw. bei allen Vertragsärzten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung telefonisch krankschreiben lassen.

Was tun, wenn Verdacht auf eine Infektion mit dem Corona-Virus besteht?

Es ist die Aufgabe des Arztes, die Patienten über das weitere Vorgehen aufzuklären und sie darüber zu informieren, wie, wo und unter welchen Voraussetzungen gegebenenfalls ein Test auf die Atemwegsinfektion COVID-19 durchgeführt wird.

Kann der Arzt eine telefonische Krankschreibung verweigern?

Ja. Es ist das Recht des Arztes nach der telefonischen Diagnose auf ein persönliches Erscheinen zu bestehen, sollte er durch die bisherige Darstellung der Symptome keinen genauen Eindruck der Beschwerden bekommen haben. Es ist dann die Pflicht der Patienten beim Arzt vorstellig zu werden, um die genaue Erkrankung festzustellen. Kommt der Patient dieser Pflicht nicht nach, wird keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausgestellt.

Auf welchem Weg bekommt man den Krankenschein bzw. die AU?

Der Krankschein wird dem Patienten nach der Krankschreibung per Post zugestellt. Es besteht auch die Möglichkeit die AU durch einen Angehörigen in der Arztpraxis abholen zu lassen.

Gibt der Arzt die Krankschreibung an den Arbeitgeber weiter?

Nein. Der Patient bzw. Arbeitnehmer muss sich selbständig darum kümmern, dass das Dokument rechtzeitig an den Arbeitgeber weitergeleitet wird.

Für welchen Zeitraum darf ein Arzt eine Krankschreibung via Telefon veranlassen?

Aufgrund der aktuellen Situation sind Ärzte dazu befugt, ihre Patienten aufgrund bestimmter Symptome für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen krankzuschreiben. Die ärztliche Bescheinigung für den Krankengeldbezug ist auf sieben Tage limitiert.

Kann auch ein Kinderkrankenschein via Telefon ausgestellt werden?

Ja. Nach einer telefonischen Anamnese darf der Arzt einen Kinderkrankenschein für den Zeitraum von einer Woche ausstellen.

Wofür ist diese neue Regelung gut?

Durch telefonische Krankschreibungen sollen die Arztpraxen in der aktuellen Situation entlastet werden. Ärzten steht so mehr Zeit zur Verfügung, sich schwerwiegenderen Problemen zu widmen und die Patienten vor Ort zu versorgen. Gleichzeitig wird die Verbreitung des Corona-Virus eingedämmt.

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