Kinderkrankengeld in Corona-Krise: Lohnfortzahlung für Eltern verlängert

Mutter und Tochter mit Corona-Maske

Angesichts der steigenden Infektionszahlen wurden die Maßnahmen zum Corona-Lockdown erneut verschärft. Viele Geschäfte und Betriebsstätten müssen ihre Türen bis auf Weiteres schließen – so auch Schulen und Kitas. Berufstätige Eltern stellt dies vor eine große Herausforderung. Wie soll die Kinderbetreuung organsiert werden, wenn Mutter und Vater bei der Arbeit sind? Nun haben Bund und Länder entschieden, Eltern auch im Jahr 2021 zusätzliche Kinderkrankentage zu gewähren, um die Betreuung sicherzustellen.

Kinderkrankengeld: Rechtliche Grundlagen

Laut Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches zur vorübergehenden Verhinderung von Arbeitnehmern, dürfen Eltern, die sich um ihr krankes Kind kümmern müssen, der Arbeit für eine nicht erhebliche Zeit fernbleiben – und das unter Fortzahlung ihres Lohns. Eltern von Kindern unter 12 Jahren werden dafür normalerweise 10 bezahlte Kinderkrankentage pro Elternteil und Kalenderjahr zugebilligt.

Bis zu 40 Tage Kinderkrankengeld

Mit Beschluss vom 05. Januar 2021 sollen Eltern in diesem Jahr 20 anstelle der üblichen 10 Kinderkrankentage pro Elternteil erhalten. Bei mehreren Kindern maximal jedoch 45 Tage. Alleinerziehende Eltern dürfen sich sogar über 20 zusätzliche Tage freuen, insgesamt stehen ihnen damit 40 Kinderkrankentage im Jahr 2021 zur Verfügung; bei mehreren Kindern höchstens 90 Tage. Laut Bundesgesundheitsministerium soll die Regelung rückwirkend ab dem 05. Januar 2021 gelten. Die Anzahl der Kinderkrankentage wurde bereits 2020 inmitten der Corona-Pandemie aufgestockt; diese Regelung soll nun verlängert werden.

Kinderkrankengeld: Wer zahlt?

Viele Arbeitsverträge beinhalten eine Klausel, die die Lohnfortzahlung bei Kinderkrankentagen durch den Arbeitgeber ausschließt. Arbeitnehmer können in diesen Fällen ihren Anspruch auf unbezahlte Freistellung gemäß § 45 SGB V geltend machen. Die Pflicht zur Zahlung des Kinderkrankengeldes geht dann auf die gesetzliche Krankenkasse über.

Nach bisheriger Regelung übernimmt die Krankenkasse dabei 90 Prozent des ausgefallenen Nettolohns zuzüglich Einmalzahlungen, die in voller Höhe erstattet werden. Bemessen an der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung von 58.050 Euro im Jahr 2021 liegt der Höchstsatz des Kinderkrankengeldes allerdings bei 112,88 Euro pro Tag.

Corona-Krise: Kinderkrankengeld beantragen

Laut Auskunft der diverser Krankenkassen können Eltern von der Erweiterung des Kinderkrankengeldes allerdings noch keinen Gebrauch machen. Bisher sei nicht geklärt, wie Eltern konkret nachzuweisen haben, dass ihr Kind von Schul- und Kitaschließungen in der Corona-Krise betroffen ist. Dazu werde eine gesetzliche Regelung benötigt, die derzeit noch ausstehe:

Wir prüfen, wie wir das umsetzen, und werden zeitnah einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung vorlegen“, so eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Update vom 15.01.2021: Laut Bundesgesundheitsministerium erfolgt der Nachweis des Betreuungsbedarfs bei Krankheit des Kindes gegenüber den Krankenkassen mit einer Bescheinigung des Arztes. Muss ein Kind nicht aus Krankheitsgründen, sondern angesichts der Schul- bzw. Kitaschließungen in Zeiten der Corona-Krise zuhause bleiben, reicht eine Bescheinigung der entsprechenden Einrichtung aus. Dies gilt auch, wenn lediglich die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben bzw. Zugang zur Kita eingeschränkt wurde.

Kinderkrankengeld in Corona-Krise: Mehrbelastung für Krankenkassen

Gleichzeitig wehren sich die Krankenkassen gegen eine Mehrbelastung durch die Regierungsmaßnahmen. Nach bisheriger (Vor-Corona-) Regelung wird das Kinderkrankengeld nur gezahlt, wenn das Kind auch tatsächlich krank ist – der Beschluss würde diese Vorschrift aushebeln:

Die Kinderbetreuung ohne Krankheitsfall ist eine gesamtgesellschaftliche Leistung und darf nicht zu Mehrkosten der Krankenkassen führen.“, erklärt DAK-Vorstandschef Andreas Storm gegenüber BILD.

Vor diesem Hintergrund plant der Bundes einen zusätzlichen Bundeszuschuss zur Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds in Höhe von 300 Millionen Euro. Ob diese Summe ausreichend, hängt davon ab, wie viele Eltern tatsächlich von der Regelung zum Kinderkrankengeld in der Corona-Krise Gebrauch machen.

Titelbild: L Julia/ shutterstock.com

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