Experten fordern das Aus für Minijobs

Experten fordern das Aus für Minijobs

Minijobs sind heikel. Ein Umstand, den man bislang oft unter den Teppich gekehrt hat. Denn Arbeit ist offiziell Arbeit. Dass Minijobs jedoch weit mehr Nachteile als Vorteile bieten, hat die Corona-Pandemie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Würde man das System ändern und die Minijobs abschaffen, ließen sich auf lange Sicht positive Effekte erzielen, von denen alle profitieren – sagt die Bertelsmann Stiftung.

Zwölf Mal höheres Jobverlust-Risiko

Das Risiko, plötzlich wieder auf der Straße zu stehen, ist bei Minijobs etwa zwölf Mal höher als bei sozialversicherungspflichtigen Jobs. Diese Erfahrung machten während der Corona-Pandemie etwa 870.000 Menschen. Weil sie nicht in die Sozialversicherung eingezahlt haben, bleibt ihnen nur Hartz IV. Denn beim Kurzarbeiter– und Arbeitslosengeld I bleiben Mini-Jobber außen vor.

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Entlastung unterer Einkommen

Laut Bertelsmann Stiftung sei eine Reform zwingend nötig, um diese Probleme zu vermeiden. Die Experten schlagen vor, Minijobs komplett abzuschaffen. Gleichzeitig sollen untere Einkommen entlastet werden.

Warum? Weil nach dem neuen System bereits ab dem ersten Euro Sozialversicherungsabgaben gezahlt werden müssen. Die Belastung soll linear steigen. Ohne Einkommen wären es null Prozent und bei 1.800 Euro brutto etwa 20,2 Prozent.

165.000 „gute Jobs“ möglich

Die Hochrechnung der beiden Ökonomen Tom Krebs und Martin Scheffel kommt nach dem Aus der Minijobs auf 160.000 neue Teilzeit- und etwa 5.000 Vollzeitstellen. Unter dem Strich stehen somit 165.000 „gute Jobs“. Gleichzeitig wären, so die Prognose, 88.000 Arbeitslose in Deutschland nicht länger auf Hartz IV angewiesen.

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Arbeit lohnt sich wieder

Aktuell sieht es so aus, dass jeder Cent über den 450 Euro vom Minijob gleich mit einer Steuerlast von etwa zehn Prozent einhergeht. Gerade für Alleinerziehende, Mütter und Geringqualifizierte lohne sich Arbeit über den Minijob hinaus daher nicht. „Wer mehr arbeiten will, wird also bestraft“, so die Ökonomen.

Mehreinnahmen ab 2041

Damit sich das ändert, muss der Staat laut Bertelsmann Stiftung zunächst Geld in die Hand nehmen. Doch schon 2041 würden die Mehreinnahmen die fiskalischen Kosten übersteigen. Gleichzeitig steige das Bruttosozialprodukt bis 2030 um 7,2 Milliarden Euro.

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