Kurzarbeit – Kurzarbeitergeld

Bauarbeiter mit Hammer und Bauhelm
Kurzarbeit & Kurzarbeitergeld

Kurzarbeit bedeutet für Arbeitnehmer eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit und dementsprechend auch ein reduziertes Gehalt – den sogenannten Kurzlohn. Um das durch die verkürzte Arbeitszeit ausgefallene Arbeitsentgelt zumindest teilweise auszugleichen, wird Kurzarbeitergeld gezahlt.

Wird gar nicht mehr gearbeitet, so spricht man von Kurzarbeit-Null. Das ist dann der Fall, wenn ganze Abteilungen oder Betriebe vorübergehend schließen müssen, wie jüngst z.B. Frisöre in der Corona-Pandemie.

Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise

Im Zeitraum vom 01.03.2020 bis 31.12.2020 wurden die Zugangsbestimmungen zur Kurzarbeit und die bisherigen Regelungen zum Kurzarbeitergeld vorübergehend gelockert. Teile dieser Sonderregelungen wurden vom Bundestag am 20.11.2020 verlängert, so dass diese bis zum 31.12.2021 gelten sollen. Nun wurden mit Bekanntgabe am 24.11.2021 erneut Teile dieser Sonderregelungen bis zum 31.03.2022 verlängert. Jetzt weiterlesen…

Sonderregelung durch Corona Pandemie 

Durch die Corona Pandemie in 2020 musste die Regierung Maßnahmen ergreifen. So ist – bis zum 31.03.2022 befristet – ausreichend, wenn mindestens 10 Prozent, anstatt wie sonst ein Drittel, der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. 

Für den Zeitraum ab 01.03.2020 bis 31.03.2022 wird die Drittelregelung gemäß § 96 Absatz 1 Nr. 4 SGB III ausgesetzt.

Kurzarbeitergeld Höhe & Berechnung

Das Kurzarbeitergeld (KUG) wird anhand der rechnerischen Leistungssätze für Soll- und Ist-Entgelt berechnet. Maßgeblich ist die „Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes“ (Stand 2022) der Bundesagentur für Arbeit, in der die entsprechenden Werte je nach Steuerklasse und Gehaltsspanne abgelesen werden.

  • Sollentgelt: reguläres Monatsbrutto ohne Ausfallzeiten
  • Istentgelt: tatsächlich erzielter Bruttolohn bei verkürzter Arbeitszeit (Kurzlohn)

Beispiel: Ein Arbeitnehmer erhält regulär 3.000 EUR Bruttolohn bei einer 40-Stunden-Woche (Soll-Entgelt). Aufgrund von Kurzarbeit reduzieren sich Arbeitszeit und Lohn um 40% und der Beschäftigte „erarbeitet“ bei einer nun 24 Stunden Woche 1.800 EUR Monatslohn (Ist-Entgelt).

Für Soll- und Ist-Entgelt muss jeweils der rechnerische Leistungssatz (pauschalisiertes Nettoentgelt) ermittelt werden. Der Unterschiedsbetrag (Nettoentgeltdifferenz § 106 SGB III) aus beiden Werten entspricht der Höhe des Kurzarbeitergeldes.

60 / 67% Ausgleich für ausgefallenen Nettolohns

Bei der Kurzarbeitergeld Berechnung gibt es zwei Leistungssätze: Leistungssatz 1 entspricht 67% des ausgefallenen Nettolohns und gilt für Arbeitnehmer mit Kindern. Leistungssatz 2 gilt für übrige Arbeitnehmer und entspricht 60% des Lohnausfalls. Da die Lohnsteuer pauschal berechnet wird, wird der jeweilige Leistungssatz unter Berücksichtigung der Lohnsteuerklasse ermittelt.

Kurarbeitergeld berechnen an 2 Beispielen

3.000 EUR Sollentgelt, 1.800 EUR Istentgelt, Steuerklasse 3, Leistungssatz 1 mit Kind

Soll-Entgelt3.000 EURLeistungssatz1.518,11 EUR
Ist-Entgelt1.800 EURLeistungssatz– 964,80 EUR
KUG= 553,31 EUR

3.000 EUR Sollentgelt, 1.800 EUR Istentgelt, Steuerklasse 1, Leistungssatz 2 ohne Kind

Soll-Entgelt3.000 EURLeistungssatz1.208,25 EUR
Ist-Entgelt1.800 EURLeistungssatz– 794,10 EUR
KUG= 414,15 EUR

Kurzarbeit für Auszubildende

Wenn unvermeidbar, kann auch für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden. Allerdings müssen Arbeitgeber bzw. Ausbildende zuvor alle Maßnahmen ausschöpfen, um die Kurzarbeit für Azubis zu vermeiden, damit die Ziele der Ausbildung möglichst erreicht werden können. So können Auszubildende etwa in andere Abteilungen umgesetzt oder Ausbildungsinhalte vorgezogen werden. Weiterhin bietet sich im Zusammenhang mit der Vermeidung der Kurzarbeit auch eine Versetzung in die Lehrwerkstatt oder der Griff zu besonderen Ausbildungsveranstaltungen an.

Urlaub während Kurzarbeit

Generell haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Erholungsurlaub, so können Beschäftigte auch während der Kurzarbeit bezahlten Urlaub nehmen. Allerdings wird in dieser Zeit kein Kurzarbeitergeld gezahlt, der Arbeitgeber muss den regulären Lohn als Urlaubsentgelt (§11 BUrlG) zahlen.

Überstunden und Zwangsurlaub

Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitgeber alles Mögliche tun muss, um Kurzarbeit zu verhindern. So müssen zuvor etwa aufgelaufene Überstunden abgebaut werden. Zudem ist zur Entlastung des Unternehmens auch Zwangsurlaub möglich: sowohl möglicher Resturlaub aus dem Vorjahr als auch der Urlaubsanspruch aus dem laufenden Jahr müssten eingebracht werden, sofern dieser noch nicht fest verplant ist – die Urlaubspläne der Beschäftigten haben jedoch grundsätzlich Vorrang.

Kürzung des Urlaubsanspruchs

Bei Kurzarbeit Null, also einem tageweisen Arbeitsausfall, müssen Beschäftigte es hinnehmen, dass der Urlaubsanspruch anteilig gekürzt wird (BAG 9 AZR 225/21). Der Jahresurlaub wird dann wie bei Teilzeitarbeit berechnet, an denen nur einige Tage in der Woche gearbeitet wird.

Arbeitsunfähigkeit und Lohnfortzahlung bei Kurzarbeit

Auch während der Kurzarbeit haben Arbeitnehmer im Krankheitsfall einen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber für die Dauer von sechs Wochen. Dabei orientiert sich die Höhe am Entgelt (Kurzlohn + Kurzarbeitergeld), welches gezahlt worden wäre, wenn keine Arbeitsunfähigkeit vorliegen würde. Damit wird ein betroffener Arbeitnehmer so gestellt, als ob er nicht arbeitsunfähig erkrankt wäre. Ab der 7. Woche der Arbeitsunfähigkeit leistet die Krankenkasse regulär Krankengeld.

Kündigung während Kurzarbeit

Kurzarbeit hat generell keinen Einfluss auf das Kündigungsrecht oder den Kündigungsschutz. Wie in Zeiten ohne Kurzarbeit können Arbeitnehmer kündigen und auch Arbeitgeber Mitarbeiter entlassen, natürlich jeweils unter Beachtung der geltenden Kündigungsfristen.

Wichtig: Eine betriebsbedingte Kündigung darf dabei nicht ausschließlich mit Tatsachen begründet sein, die bereits zur Kurzarbeit geführt haben. So ist z.B. der vorübergehende Auftragsmangel, der Kurzarbeit zur Folge hatte, kein zulässiger Kündigungsgrund. Der Arbeitgeber ist in der Beweispflicht und muss darlegen, welche neuen Umstände den dauerhaften Wegfall des Arbeitsplatzes begründen.

Kein Kurzarbeitergeld mehr ab Kündigung

Mit Zugang der Kündigung – unabhängig davon, ob vom Arbeitgeber ausgesprochen oder Eigenkündigung durch den Arbeitnehmer – erlischt der Anspruch auf Kurzarbeitergeld und der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer bis zum Ausscheiden den vollen Lohn zahlen. Denn, mit der Kündigung erlischt der „vorübergehende Arbeitsausfall“ als persönliche Voraussetzung für Kurzarbeit.

Sonderform: Saison-Kurzarbeit

Bei der Saison-Kurzarbeit handelt es sich um eine Form der Kurzarbeit, welche die Folgen der winterlichen Schlechtwetterperiode abfangen soll. Umrissen wird die Saisonkurzarbeit durch §§ 101 bis 175b SGB III und schließt in erster Linie Beschäftigte des Baugewerbes, des Dachdeckerhandwerks, des Gerüstbaugewerbes oder des Garten – Landschaftsbaus ein, die Saisonkurzarbeitergeld zwischen 01. Dezember und 31. März in Anspruch nehmen können.

Zusätzlich kann Saisonkurzarbeit auch in Betrieben angeordnet werden, die von einem saisonbedingten Arbeitsausfall betroffen sind. Was Höhe und Anspruchsvoraussetzungen betrifft, unterscheiden sich Saisonkurzarbeit und konjunkturelle Kurzarbeit nicht wesentlich voneinander.

Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet Kurzarbeit?

Kurzarbeit bedeutet eine Verkürzung der Arbeitszeit und damit einhergehend die Kürzung des dem Arbeitnehmer zustehenden Arbeitsentgelts. Sie wird bei vorübergehenden negativen Marktentwicklungen genutzt, um Kündigungen zu vermeiden und hilft Unternehmen durch schwierige Lagen.

Was ist Kurzarbeitergeld?

Kurzarbeitergeld wird bei Kurzarbeit von der Agentur für Arbeit an Arbeitgeber gezahlt und zusätzlich zum reduzierten Gehalt an die betroffenen Arbeitnehmer weitergereicht, um den Entgeltausfall auszugleichen. Es wird anhand des entfallenen pauschalierten Nettoarbeitsentgelts in Orientierung am gültigen Leistungssatz berechnet.

Wer zahlt Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld wird durch den Arbeitgeber an den Arbeitnehmer ausgezahlt. Der Arbeitgeber bekommt das KUG von der zuständigen Agentur für Arbeit erstattet.