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Kurzarbeit – Kurzarbeitergeld – KUG

Bauarbeiter mit Hammer und Bauhelm

Kurzarbeit ist eine Möglichkeit für Arbeitgeber, schnell auf vorübergehende negative Veränderungen am Markt zu reagieren, ohne Teile der Beschäftigten entlassen zu müssen. Dabei kann also die Leistung aus der in Form von Kurzarbeitergeld Kündigungen vermeiden. Grundsätzlich dient Kurzarbeit damit der Arbeitsplatzsicherung und ist für den Arbeitnehmer mit einer Reduzierung der Regelarbeitszeit verbunden, was zu niedrigeren Personalkosten und einer Entlastung der Unternehmen führt.

Daraus ergeben sich nicht nur Vorteile – für die Beschäftigten ist Kurzarbeit damit natürlich mit Einkommenseinbußen verbunden, welche teilweise von der Bundesagentur für Arbeit durch das Kurzarbeitergeld (wird den Entgeltersatzleistungen zugerechnet) ausgeglichen werden.

Kurzarbeitergeld Ratgeber – FAQ

Ratgeber zur Kurzarbeit

Wann wird Kurzarbeit eingeführt

Um Entlassungen zu verhindern, hat die Bundesregierung in der Vergangenheit die Kurzarbeit eingeführt. Zum Mittel der Kurzarbeit kann ein Unternehmen natürlich nur in bestimmten Situationen zurückgreifen. Generell wird Kurzarbeit dann in einem Betrieb eingeführt, wenn aufgrund wirtschaftlicher Sachzwänge (zum Beispiel plötzlicher Einbruch bei der Nachfrage) die Leistungsfähigkeit des Unternehmens nicht mehr zu 100 Prozent abgerufen wird und damit die Angestellten aufgrund eines vorübergehenden, erheblichen Arbeitsausfalles nicht mehr über die gesamte Regelarbeitszeit beschäftigt werden können.

Voraussetzungen und Folgen von Kurzarbeit

Ausschlaggebend zur Einführung der Kurzarbeit sind die §§ 95 ff. SGB III. Danach muss ein erheblicher Arbeitsausfall mit entsprechendem Entgeltausfall vorliegen, die betrieblichen (§ 97 SGB III – mindestens ein Beschäftigter im Betrieb) wie auch persönlichen Voraussetzungen (der Arbeitnehmer muss auch nach dem Arbeitsausfall im Betrieb verbleiben) müssen erfüllt sein und der Arbeitsausfall gegenüber der Agentur für Arbeit angezeigt werden (Antragspflicht).

Erheblicher Arbeitsausfall

Ein erheblicher Arbeitsausfall liegt dann vor, wenn er auf einem unabwendbaren Ereignis (Arbeitgeber hat den Eintritt nicht zu verantworten) beruht, nur vorübergehendem Charakter ist und nicht vermeidbar gewesen wäre. 

Entgeltausfall

Ein entsprechender Entgeltausfall liegt vor, wenn mindestens ein Drittel (in der Zeit von 01.03.2020 bis 31.12.2020 auf mindestens 10 Prozent abgesenkt) der Arbeitnehmer monatliche Lohneinbußen von mehr 10 Prozent in Kauf nehmen müssen. Dabei kann die Lohneinbuße auch bis zu 100 Prozent betragen. 

Kurzarbeit Schild vor einem geschlossenen Betrieb

Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise

Zugang zu Kurzarbeit wurde in der Corona Pandemie erleichtert

Im Zeitraum vom 01.03.2020 bis 31.12.2020 werden die Zugangsbestimmungen zur Kurzarbeit und die bisherigen Regelungen zum Kurzarbeitergeld vorübergehend gelockert. Jetzt weiterlesen…

Sonderregelung durch Corona Pandemie 

Durch die Corona Pandemie in 2020 musste die Regierung Maßnahmen ergreifen. So ist – bis zum 31.12.2021 befristet – ausreichend, wenn mindestens 10 Prozent, anstatt wie sonst ein Drittel, der Belegschaft von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen sind. 

Für den Zeitraum ab 01.03.2020 bis 31.12.2021 wird die Drittelregelung gemäß § 96 Absatz 1 Nr. 4 SGB III ausgesetzt.

Dauer der Kurzarbeit

Die Regel-Bezugsdauer beträgt 6 Monate und beginnt im ersten Kalendermonat, für den der Betrieb Kurzarbeitergeld von der Agentur für Arbeit ausgezahlt bekommt. Dabei läuft die Regel-Bezugsdauer immer bis zum Ende eines Kalendermonats, auch wenn zwischenzeitlich wieder im Betrieb auf Vollzeit umgestellt wurde.

Verlängerung der Bezugsdauer

Wird für einen gesamten Monat kein Kurzarbeitergeld gezahlt, so verlängert sich der Anspruch auf Kurzarbeit für diesen Zeitraum. 

Verlängerung auf bis zu 12 Monate

Ist der Arbeitsmarkt in bestimmten Wirtschaftszweigen oder Regionen durch außergewöhnliche Umstände von einer Krise betroffen und erfüllen diese damit weiterhin die Voraussetzungen für den Bezug von KUG, so kann das Bundesarbeitsministerium per Verordnung den Bezug von Kurzarbeitergeld auf eine Dauer von 12 Monaten verlängern.

Aufgrund der Entwicklung durch den Coronavirus hat das Ministerium das Kurzarbeitergeld allgemein auf 12 Monate verlängert.

Höhe des Kurzarbeitergeldes

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes ermittelt sich nach den Werten der Leistungstabelle. Dabei sind die Richtwerte zunächst einmal das ursprüngliche Bruttogehalt vor der Kurzarbeit (sog. Sollentgelt) sowie das aktuelle, verminderte Bruttoeinkommen während des Leistungszeitraum (sog. Istentgelt). Diesen beiden Werten werden pauschale Nettobeträge zugeordnet und aus der Nettoentgeltdifferenz ermittelt sich der Auszahlungsbetrag. 

Um die Höhe des KUG zu ermitteln, muss man aber jetzt keine Tabellen wälzen, hierzu kann auch der KUG Rechner verwendet werden, bei dem die Daten bereits hinterlegt sind. Entscheidend sind dann nur noch die Lohnsteuerklasse sowie die Angabe, ob Kinder vorhanden sind oder nicht. Kinder sind für den Leistungssatz relevant, da wie bei der Arbeitslosengeld Berechnung Kinderlose einen Leistungssatz von 60 Prozent haben und – (mit einem Kinderfreibetrag von mindestens 0,5 in den Lohnsteuermerkmalen) – Eltern 67 Prozent.

Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge an den Arbeitgeber

Grundsätzlich müssen die Arbeitgeber 80 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge aus den entfallenen Arbeitsstunden übernehmen. Durch die Maßnahmen aufgrund der Corona Krise in 2020 erhalten Arbeitgeber aber 100 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge für das Ausfallentgelt durch die Bundesagentur für Arbeit erstattet.

Arbeitszeitkonten und Leistungssätze

Eine weitere Verbesserung betrifft Arbeitszeitkonten – diese müssen bei Überstunden nicht mehr auf Null oder sogar in einen Negativ-Saldo heruntergefahren werden, um Kurzarbeit anordnen zu dürfen. Aktuell kann das Kurzarbeitergeld ohne Rücksicht auf die Arbeitszeitkonten beantragt werden.

Leiharbeiter

Speziell Leiharbeiter haben in der Vergangenheit vom Instrument Kurzarbeit selten profitiert. Arbeitgeber können jetzt auch Leiharbeiter in die Kurzarbeit einbeziehen, statt zu kündigen.

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