Kurzarbeit gegen Arbeitslosigkeit

Ist die Kurzarbeit ein Mittel gegen drohende Arbeitslosigkeit? Ohne Zweifel kann Kurzarbeit ein sinnvolles Mittel sein, um die plötzliche Freisetzung von Arbeitskräften zu verhindern. Um aber beurteilen zu können, welchen Nutzen die Kurzarbeit am Ende wirklich entfaltet, muss in jedem Fall der zeitliche Rahmen betrachtet werden.

Daneben wirken sich natürlich auch andere Maßnahmen der Arbeitssicherung auf den Nutzen der Kurzarbeit aus.

Potenzial der Kurzarbeit

Generell sollte zum Mittel Kurzarbeit nur als letzte Möglichkeit gegriffen werden, um eine drohende Arbeitslosigkeit zu verhindern. Andere Maßnahmen könnten zum Beispiel die Einführung von Arbeitszeitkonten sein. Letztere dienen einer Flexibilisierung der Arbeitszeit – solange sich die Auftragslage auf einem hohen Niveau befindet, werden Überstunden dem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben und können anschließend abgebaut werden.

Erst wenn das Potenzial der Arbeitszeitkonten ausgeschöpft scheint, lohnt sich die Kurzarbeit. Allerdings auch nur dann, wenn die Vorhersagen bezüglich einer Aufhellung der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens wirklich eintreffen und es sich nur um eine vorübergehende Verschlechterung der Unternehmenssituation handelt. Sollte sich die Situation dagegen in eine vollkommen andere Richtung entwickeln und die Krise am Ende sogar noch verschärfen, wird ein Arbeitgeber auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr ausschließen können und die Kurzarbeit verliert ihren Nutzen.

Grenzen der Kurzarbeit

Schließlich dient Kurzarbeit nur dem Zweck, zeitlich begrenzte Entwicklungen der Märkte auszugleichen. Eine generelle Arbeitsplatzsicherung findet auch durch Kurzarbeit nicht statt – nach dem Erreichen der maximalen Bezugsdauer sind Beschäftigte immer noch von der Arbeitslosigkeit bedroht. Solange mit einer Besserung der Lage zu rechnen ist, lohnt sich der Einsatz des Mittels Kurzarbeit aber in jedem Fall, um wenigstens die Stammbelegschaft und damit hoch qualifizierte Arbeitnehmer im Unternehmen zu halten.

Auswirkungen auf Arbeitslosengeld

Viele Arbeitnehmer fragen sich nach der Ankündigung des Arbeitgebers, in den nächsten Wochen Kurzarbeit einzuführen, welche Auswirkungen der Entgeltausfall auf die Lohnersatzleistungen wie das Arbeitslosengeld hat. Glücklicherweise können alle Betroffenen aufatmen – Kurzarbeit bzw. Kurzarbeitergeld bringt für Ansprüche gegenüber Bezugsdauer und Höhe von ALG I keine Nachteile mit sich. Generell lässt sich durch die Anordnung der Kurzarbeit sogar eine Verbesserung bezüglich des Arbeitslosengeldes ausmachen.

Auswirkungen der Kurzarbeit auf die Anspruchsdauer von Arbeitslosengeld

Statt Arbeitskräfte freizusetzen, halten die Unternehmen ihre Beschäftigten in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – weshalb weiterhin Beiträge in die einzelnen Versicherungsbereiche abfließen. Damit wird gleichzeitig die Anspruchsgrundlage für den Fall ausgebaut, dass nach der Kurzarbeit doch nur der Weg in die Arbeitslosigkeit bleibt. Auf diese Weise können zum Beispiel Arbeitnehmer, die erst 20 Monate in einem Unternehmen beschäftigt sind, dank Kurzarbeit ihre Anspruchsdauer auf ALG I um zwei Monate verlängern – sofern die Reduzierung der Arbeitszeit mindestens vier Monate andauert (ab einer Beschäftigungszeit von 24 Monaten erhöht sich die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld von 10 auf 12 Monate). Für ältere Arbeitnehmer ab 58 wirkt sich der Griff zur Kurzarbeit sogar noch deutlicher aus – hier ist ein Anstieg beim ALG I bis auf 24 Monate möglich.

Auswirkungen Kurzarbeitergeld auf Bemessungsgrundlage von ALG

Ausschlaggebend für den Einfluss der Kurzarbeit auf die Bemessungsgrundlage beim Arbeitslosengeld ist § 131 Abs. 3 SGB III. Hier wird festgehalten, dass Kurzarbeitergeld und Winterausfallgeld (Lohnersatzleistung der Baubranche) auf die Ansprüche bezüglich ALG I keinen Einfluss haben. Als Berechnungsgrundlage dient auch in Phasen der Kurzarbeit das Entgelt ohne Berücksichtigung der Ausfälle durch die Minderung der Arbeitszeit.

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