Kurzarbeitergeld bei Heimarbeit

Auch Heimarbeiter bzw. Mitarbeiter im Homeoffice haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld, wenn beim Auftraggeber Kurzarbeit eingeführt wird und der Entgeltausfall um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum regulären Bruttoarbeitslohn der letzten sechs Monate abweicht. Hierbei sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten.

Das Wichtigste in Kürze

Haben Heimarbeiter Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen können auch Heimarbeiter, die für mehr als einen Arbeitgeber arbeiten, Kurzarbeitergeld beziehen. Für Angestellte, die im Homeoffice arbeiten, gelten dieselben Ansprüche wie für Angestellte vor Ort am Firmensitz.

Wann haben Heimarbeiter Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Anspruch auf KUG besteht für Heimarbeiter dann, wenn der Hauptauftraggeber Kurzarbeit anmeldet und der Entgeltausfall mehr als 20% beträgt. Dabei muss der überwiegende Teil des Entgeltes aus der Beschäftigung durch eben diesen Auftraggeber stammen. Zudem muss gesichert sein, dass der Heimarbeiter nach der Kurzarbeit weiterhin für den Auftraggeber tätig sein wird.

Wie wird das Kurzarbeitergeld für Heimarbeiter berechnet?

Das Kurzarbeitergeld für Heimarbeiter wird analog der Bemessung des Kurzarbeitergeldes für Arbeitnehmer berechnet. Zuschläge bleiben dabei unberücksichtigt.

Anspruchsgrundlage zur Kurzarbeit für Heimarbeiter

In Deutschland können Personen auch dann als Beschäftigte eines Unternehmens gelten, wenn sie nicht direkt in der Betriebsstätte arbeiten. Diese Personen nennen sich Heimarbeiter bzw. arbeiten im Homeoffice. Nachfolgende Kriterien unterscheiden Heimarbeiter von Angestellten im Homeoffice, was einen wichtigen Punkt im Hinblick auf den Anspruch auf Kurzarbeitergeld darstellt.

Kriterium Sozialversicherungspflicht

Heimarbeiter bzw. Mitarbeiter im Homeoffice scheinen auf den ersten Blick zwar Selbständigen und Freiberuflern zugehörig zu sein, da sie nicht am Firmensitz des Arbeitgebers sitzen, um ihre Arbeit zu verrichten. Für sie besteht aber eine Sozialversicherungspflicht, was das Angestelltenverhältnis definiert. Gleichzeitig ist damit auch eine der Anspruchsvoraussetzungen für den Erhalt des KUG umrissen.

Daraus resultiert: Hausgewerbetreibende, die ihr Einkommen ohne einen bestimmten Auftraggeber erzielen, werden von der Möglichkeit zum Erhalt der Kurzarbeit ausgeschlossen.

Mehrheit des Einkommens von einem Auftraggeber

Daneben müssen aber noch andere Bedingungen durch die Heimarbeitenden erfüllt werden, um Anspruch auf Kurzarbeitergeld zu haben. Besonders wichtig – der überwiegende Teil des Entgeltes muss aus der Beschäftigung des von der Kurzarbeit betroffenen Unternehmens stammen.

Definition Einkommen

Als Gesamteinkommen gelten an dieser Stelle sämtliche Einkünfte abzüglich der Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung bzw. der Aufwendungen zur sozialen Sicherung. Leistungen von Familienangehörigen bleiben an dieser Stelle ebenso unberücksichtigt wie Teile der Zuschläge zur Heimarbeit.

Mitarbeiter im Homeoffice

Eine klare Sache bei in Voll- oder Teilzeit Angestellten eines Unternehmens, die dauerhaft von Zuhause aus arbeiten oder vorübergehend durch Vorkommnisse wie bspw. die Corona-Pandemie.

Sie beziehen ihr Einkommen nur von einem Arbeitgeber, eben jenem, der die Kurzarbeit anmeldet. Sie sind ebenso Teil des Unternehmens wie Mitarbeiter am Firmensitz und genauso berechtigt Kurzarbeitergeld zu beziehen.

Heimarbeiter mit mehreren Auftraggebern

Handelt es sich jedoch um einen Heimarbeiter, der zwar im Auftrag eines Unternehmens arbeitet, dazu aber noch weitere Arbeitgeber hat, sieht die Klärung dieser Frage wieder anders aus. Dazu ist das Gesamteinkommen des Heimarbeiters zum Nettoverdienst aus der Tätigkeit für das Unternehmen ins Verhältnis zusetzen.

Macht der Verdienst als Heimarbeiter mehr als 2/3 des gesamten Einkommens aus, bestreiten Betroffene ihren Lebensunterhalt überwiegend aus der Beschäftigung für das von Kurzarbeit betroffene Unternehmen. Es besteht eine Berechtigung auf Kurzarbeitergeld.

Ähnlich dem KUG für Arbeitnehmer muss auch im Rahmen der Heimarbeit ein erheblicher Arbeitsausfall vorliegen – allerdings wird als Maßstab hier ein erheblicher Entgeltausfall von mindestens 20 Prozent angelegt, da Heimarbeiter nicht an feste Arbeitszeiten gebunden sind.

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Persönliche Voraussetzungen

Um von der Agentur für Arbeit Leistungen nach dem Kurzarbeitergeld erhalten zu können, muss der Auftraggeber nicht nur den Entgeltausfall gegenüber der Arbeitsagentur anzeigen – auch die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers ist zwingend erforderlich.

Grundsätzlich gelten die persönlichen Voraussetzungen auch für Heimarbeiter. Diese sind nach § 89 SGB III konkret in folgenden Fällen erfüllt:

  • Arbeitnehmer/innen müssen die versicherungspflichtige Beschäftigung nach Arbeitsausfall fortsetzen, aus zwingenden Gründen aufnehmen oder im Anschluss an die Beendigung einer Berufsausbildung aufnehmen.
  • Das Arbeitsverhältnis darf nicht durch Aufhebungsvertrag aufgelöst oder gekündigt sein.
  • Arbeitnehmer/innen dürfen nicht vom Kurzarbeitergeldbezug ausgeschlossen sein, das sind bspw. Auszubildende.
  • Bei Arbeitsunfähigkeit der Arbeitnehmer/innen während der Kurzarbeit besteht weiterhin Anspruch, solange Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall besteht.

Um die Voraussetzungen nachweisen zu können, müssen beide – Auftraggeber und Heimarbeiter – entsprechende Erklärungen abgeben, zu denen die Agentur für Arbeit Vordrucke bereithält (Kug H 001 und Kug H 002).

Aufgrund der Tatsache, dass Heimarbeiter und Arbeitnehmer eines Unternehmens gleichgestellt werden, müssen Erstgenannte beim Kurzarbeitergeld zudem keinerlei weitere Benachteiligung fürchten.

Schließlich nimmt der Gesetzgeber durch diese Regelung automatisch den Auftraggeber in die Pflicht und erlegt ihm gleichlautende Rechte und Pflichten bezüglich seiner angestellten Arbeitnehmer auch für Heimarbeiter auf.

Übrigens: Kündigt ein Arbeitnehmer während der Kurzarbeit sind die persönlichen Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld nicht mehr erfüllt und der Arbeitgeber ist verpflichtet, wieder den vollen Lohn zu zahlen. Detaillierte Informationen dazu unter Kündigung während der Kurzarbeit.

Berechnung des Kurzarbeitergeldes

Die Berechnung des Kurzarbeitergeldes für Heimarbeiter erfolgt analog der Bemessung des KUG für Arbeitnehmer eines Unternehmens. Allerdings ergeben sich aufgrund der besonderen Stellung vieler Heimarbeiter an dieser Stelle einige Besonderheiten.

Zu beachten: Im Gegensatz zum „normalen“ Beschäftigten erhalten Heimarbeiter Zuschläge nach § 10 EntgFG (für Heimarbeiter ohne fremde Hilfskräfte 3,4 Prozent des Bruttoentgelts – bei bis zu zwei Hilfskräften erhöht sich dieser Satz auf 6,4 Prozent) zur Absicherung im Krankheitsfall.

Diese Zuschläge bleiben im Rahmen der Berechnung des KUG für Heimarbeiter unberücksichtigt. Einzige Ausnahme – die Zuschläge werden in Leistungen für den Fall der Arbeitsunfähigkeit umgewandelt.

Ähnlich wird mit den Heimarbeiterzuschlägen verfahren, die als Ausgleich für den entstehenden Mehraufwand (Einrichtung und Bereitstellung des Arbeitsraumes, Betriebsnebenkosten etc.) ausgezahlt werden.

Solange die Zuschläge 10 Prozent des Grundlohnes nicht übersteigen, gehören sie nicht zum steuerpflichtigen Einkommen und bleiben auch beim KUG außen vor.

Wie hoch das Kurzarbeitergeld eigentlich ausfällt und wie es berechnet wird können Sie unter Kurzarbeitergeld Höhe & Berechnung nachlesen. Dort finden Sie auch unseren kostenlosen Online-Rechner, mit dem Sie Ihren Anspruch ganz einfach berechnen können.

Lesetipp: Homeoffice: Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer

Umfassende Informationen zum Thema Kurzarbeit erhalten Sie zudem im Ratgeber Kurzarbeit & Kurzarbeitergeld (KUG).

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Zuletzt aktualisiert: 21.07.2021