Kurzarbeit: Gehalt und Lohn

Wird durch den Arbeitgeber Kurzarbeit angeordnet, hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitszeit der Beschäftigten eines Unternehmens, sondern wirkt sich am Monatsende auch auf die Vergütung aus. Wie beeinflusst Kurzarbeit das Gehalt und wie wird das Kurzarbeitergeld eigentlich berechnet?

Das Wichtigste in Kürze

Wie viel Geld bekomme ich bei Kurzarbeit?

Arbeitnehmer mit Kind erhalten 67% der Nettoentgeltdifferenz pro Monat. Arbeitnehmer ohne Kind erhalten 60% der Nettoentgeltdifferenz monatlich. Bei einem regulären Nettogehalt von 1.557,50 € bekommt ein Arbeitnehmer mit Kind 1.468,46 € gekürztes Gehalt bei Kurzarbeit. Der Prozentsatz erhöht sich ab dem 4. Monat auf 70%/77% und ab dem 7. Monat auf 80%/87%.

Wie wird das KUG in der Lohnabrechnung berechnet?

Die Berechnung geschieht bei den meisten Angestellten aufgrund eines vereinbarten Festgehaltes auf Grundlage des Jahreseinkommens. Dabei wird aus dem Jahreseinkommen und den zu leistenden monatlichen Stunden der Stundenlohn berechnet. Dieser Stundenlohn wird mit den geleisteten Stunden Kurzarbeit multipliziert und der errechnete Betrag vom Nettolohn abgezogen, um die gekürzte Vergütung zu erhalten.

Was bekomme ich netto bei Kurzarbeit?

Um das Nettogehalt zu berechnen, muss zuerst das Bruttogehalt bei Kurzarbeit ermittelt werden. Dafür wird der Stundenlohn mit den ausgefallenen Stunden multipliziert und das Ergebnis vom Bruttogehalt abgezogen. Abgezogen werden hiervon nun noch Sozialabgaben. Das Kurzarbeitergeld (60% oder 67%) werden auf das ermittelte Nettogehalt aufgeschlagen.

Leistungssätze

Je nach Umfang der Arbeitszeitverkürzung fällt der Unterschied zur Regelarbeitszeit natürlich mehr oder minder deutlich aus.

Generell muss aber festgehalten werden, dass Arbeitnehmer mit finanziellen Einbußen rechnen müssen, da konjunkturelles Kurzarbeitergeld (Kug) nur in Höhe des allgemeinen bzw. erhöhten Leistungssatzes durch die Agentur für Arbeit erstattet wird.

Um die Auswirkungen der Kurzarbeit auf das Gehalt zu ermitteln, muss der aktuell gültige Leistungssatz herangezogen werden.

Der Leistungssatz für Kurzarbeitergeld bezieht sich auf den pauschalierten Nettoentgeltausfall. Er bezeichnet die Differenz zwischen dem SOLLentgelt (Einkommen vor der Kurzarbeit) und dem ISTentgelt (Einkommen während der Kurzarbeit), also die Nettoentgeltdifferenz.

Arbeitnehmer mit Kind erhalten 67 Prozent des pauschalierten Nettoentgeltausfalls, Beschäftigte ohne Kind dagegen nur 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz pro Kalendermonat. Wie das KUG durch den Arbeitgeber berechnet wird, kann dem Berechnungsbeispiel entnommen werden.

Detaillierte Informationen zur Nettoentgeltdifferenz und die konkrete Berechnung dieser finden Sie unter Nettoentgeltdifferenz beim Kurzarbeitergeld.

Stufenweise Erhöhung der Leistungssätze (gültig bis Ende 2021)

Um Unternehmen in der Corona-Pandemie zu unterstützen, hat der Gesetzgeber eine stufenweise Erhöhung der Leistungssätze in die Wege geleitet. Dieser Stufenplan gilt bis zum 31.12.2021. Liegt ein Arbeitsausfall von mindestens 50% vor, erhöht sich das Kurzarbeitergeld stufenweise wie folgt:

  • ab dem 4. Monat: 70% für Arbeitnehmer ohne Kind, 77% für Beschäftigte mit Kind
  • ab dem 7. Monat: 80% für Arbeitnehmer ohne Kind, 87% für Beschäftigte mit Kind

Die geltenden Leistungstabellen können hier eingesehen werden:

» Leistungstabelle zum Kurzarbeitergeld, 60 % / 67 % 
» Leistungstabelle zum Kurzarbeitergeld, 77 % / 70%
» Leistungstabelle zum Kurzarbeitergeld, 87 % / 80%

Lohnabrechnung während der Kurzarbeit

Für viele Angestellte ist es unverständlich, wie die Lohnbüros auf das Bruttogehalt (neben dem Kurzarbeitergeld) während der Kurzarbeit kommen. Das liegt daran, dass die EDV bei einem Festgehalt (und nicht Stundenlohn) von einem Jahreseinkommen ausgeht. Die Berechnung sieht folgendermaßen aus (2.000 € Monatsgehalt – 40 Stunden/ Woche – 1 Kind – Lohnsteuerklasse III):

Berechnungsbeispiel bei einem Festgehalt:

Ermittlung der Jahresstunden: 40 Stunden/ Woche x 52 Wochen = 2080 Stunden/ Jahr

Ermittlung der Monatsstunden: 2080 Stunden/ Jahr / 12 = 173,3333 Stunden/ Monat

Ermittlung Stundenlohn: 2.000 € / 173,3333 Stunden = 11,54 €/ Stunde

Gab es im Monat jetzt beispielsweise 30 Stunden Kurzarbeit, so beträgt die zu kürzende Vergütung daraus 30 Stunden x 11,54 €/ Stunde = 346,20 € – daraus ergebe sich ein Bruttogehalt für diesen Monat, welches auch gleichzeitig das IST-Entgelt darstellt von 1.653,80 €

AbrechnungErmittlung des Nettolohns
normales Gehalt
ohne Kurzarbeit
gekürztes Gehalt
bei Kurzarbeit
Bruttogehalt2.000,00 €1.653,80 €
Sozialversicherung– 410,50 €– 339,42 €
Steuern– 32,00 €– 0,00 €
reguläres Nettogehalt1.557,50 €1.314,33 €
Kurzarbeitergeld (KUG) 153,83 €
Einkommen1.557,50 €1.468,46 €

Ist beim Lohn ein fester Stundensatz vereinbart, so ist dieser mit den Stunden des Arbeitsausfalles während der Kurzarbeit zu multiplizieren.

SOLLentgelt

Das Sollentgelt ist eine der beiden Einflussgrößen, aus denen das Kurzarbeitergeld bzw. die Entgeltdifferenz bestimmt wird.

Dazu gehört das gesamte Bruttoarbeitsentgelt, sofern es §§ 342 ff. SGB III genügt und der Sozialversicherung unterworfen wird. Darin eingeschlossen sind auch Sachbezüge, welche durch den Arbeitgeber gegenüber seinen Beschäftigten geleistet werden.

Hinweis: Ausgeschlossen bleiben von dieser Regelung allerdings Einmalzahlungen, da sie zu Benachteiligungen der Arbeitnehmer führen würden, sowie geleistete Mehrarbeit.

In gleicher Weise bleiben auch Entgeltwandlungen (in Höhe von bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung) für die Bestimmung des Sollentgeltes unberücksichtigt, die etwa Pensionszusagen, Unterstützungskassen und Direktversicherungen durch den Arbeitgeber betreffen – trotz des Charakters eines Entgeltanspruches.

Vermögenswirksame Leistungen werden demgegenüber auf das Sollentgelt angerechnet (der Anspruch bliebt aber in vollem Umfang trotz Kurzarbeit bestehen).

Gegenüber Arbeitnehmern, deren Sollentgelt ohne Probleme bestimmt werden kann und die über ein konstantes Festgehalt verfügen, kann gerade bei Akkordlöhnern das Entgelt starken Schwankungen unterworfen sein. In solchen Fällen wird zur Bestimmung des Sollentgeltes ein durchschnittliches Einkommen bestimmt. Als Referenzzeitraum dienen dabei die drei Monate vor dem Beginn der Kurzarbeit.

Weitere Informationen zum » Sollentgelt 

ISTentgelt

Anders als bei der Bestimmung des Sollentgelts fließt beim Istentgelt die geleistete Mehrarbeit ein und wirkt sich damit für den Arbeitnehmer leistungsmindernd aus.

Achtung: Es muss zusätzlich darauf verwiesen werden, dass auch die nicht gezahlten Mehrarbeitszuschläge durch die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt werden. Ursache ist das Bestreben, arbeitsrechtliche Ansprüche aus dem Kug auszuklammern.

Daneben können auch sogenannte Bummeltage und unbezahlter Urlaub geltend gemacht werden – schließlich soll das Kurzarbeitergeld lediglich einen Arbeitsausfall aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten ausgleichen.

Weiterhin haben auf die Berechnung des Istentgeltes auch andere Lohnersatzleistungen (wie etwa das Krankengeld) eine leistungsmindernde Wirkung. Zuschüsse des Arbeitgebers zum KUG, welche das Kurzarbeitergeld aufstocken, bleiben im Gegenzug aber beim Istentgelt unberücksichtigt.

Wichtig: Diese Zuschüsse dürfen nicht der Sozialversicherung unterworfen werden.

Weitere Informationen zum » Istentgelt

Mindestlohn- und Gehaltsgarantie

Sind in einem Unternehmen tarifvertraglich für die Kurzarbeit Mindestlöhne vereinbart wurden, entstehen Bedingungen, die Auswirkungen auf das konjunkturelle KUG haben.

Für den Fall, dass diese Garantien in einem Betrieb vorliegen, entsteht ein Widerspruch zu § 95 Nr. 1 SGB III. Die Folge ist eine Verweigerung des Kurzarbeitergeldes.

Allerdings muss in diesem Zusammenhang zwischen allgemeinverbindlichen Tarifverträgen, welche die gesamte Belegschaft eines Unternehmens einschließen, und solchen unterschieden werden, die einzelne Beschäftigte ausklammern.

Letztere sind durchaus gegenüber dem Kurzarbeitergeld anspruchsberechtigt, was allerdings vor der Gewährung anhand der Angaben des Arbeitgebers zu prüfen ist.

Zuletzt aktualisiert: 19.07.2021

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