Lohn und Gehalt bei Kurzarbeit

Wird durch den Arbeitgeber Kurzarbeit angeordnet, hat dies nicht nur Auswirkungen auf die Arbeitszeit der Beschäftigten eines Unternehmens, sondern wirkt sich am Monatsende auch in der Lohntüte aus. Je nach Umfang der Arbeitszeitverkürzung fällt der Unterschied zur Regelarbeitszeit natürlich mehr oder minder deutlich aus. Generell muss aber festgehalten werden, dass Arbeitnehmer mit finanziellen Einbußen rechnen müssen, da konjunkturelles Kurzarbeitergeld (Kug) nur in Höhe des allgemeinen bzw. erhöhten Leistungssatzes durch die Agentur für Arbeit erstattet wird.

Die Leistungstabelle kann hier eingesehen werden:
» Leistungstabelle zum Kurzarbeitergeld (PDF, 191 kB)

Leistungssätze

Arbeitnehmer mit Kind erhalten also 67 Prozent des pauschalierten Nettoentgeltausfalls, Beschäftigte ohne Kind dagegen nur 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz pro Kalendermonat. Wie das KUG durch den Arbeitgeber berechnet wird, kann dem Berechnungsbeispiel entnommen werden.

Der pauschalierte Nettoentgeltausfall ist die Differenz zwischen dem SOLLentgelt (Einkommen vor der Kurzarbeit) und dem ISTentgelt (Einkommen während der Kurzarbeit).

Lohnabrechnung während der Kurzarbeit

Für viele Angestellte ist es unverständlich, wie die Lohnbüros auf das Bruttogehalt (neben dem Kurzarbeitergeld) während der Kurzarbeit kommen. Das liegt daran, dass die EDV bei einem Festgehalt (und nicht Stundenlohn) von einem Jahreseinkommen ausgeht. Die Berechnung sieht folgendermaßen aus (2.000 € Monatsgehalt – 40 Stunden/ Woche – 1 Kind – Lohnsteuerklasse III):

Berechnungsbeispiel bei einem Festgehalt:

Ermittlung der Jahresstunden: 40 Stunden/ Woche x 52 Wochen = 2080 Stunden/ Jahr

Ermittlung der Monatsstunden: 2080 Stunden/ Jahr / 12 = 173,3333 Stunden/ Monat

Ermittlung Stundenlohn: 2.000 € / 173,3333 Stunden = 11,54 €/ Stunde

Gab es im Monat jetzt beispielsweise 30 Stunden Kurzarbeit, so beträgt das zu kürzende Gehalt daraus 30 Stunden x 11,54 €/ Stunde = 346,20 € – daraus ergebe sich ein Bruttogehalt für diesen Monat, welches auch gleichzeitig das IST-Entgelt darstellt von 1.653,80 €

AbrechnungErmittlung des Nettolohns
normales Gehalt
ohne Kurzarbeit
gekürztes Gehalt
bei Kurzarbeit
Bruttogehalt2.000,00 €1.653,80 €
Sozialversicherung– 410,50 €– 339,42 €
Steuern– 32,00 €– 0,00 €
reguläres Nettogehalt1.557,50 €1.314,33 €
Kurzarbeitergeld (KUG) 153,83 €
Einkommen1.557,50 €1.468,46 €

Ist beim Lohn ein fester Stundensatz vereinbart, so ist dieser mit den Stunden des Arbeitsausfalles während der Kurzarbeit zu multiplizieren

SOLLentgelt

Das Sollentgelt ist eine der beiden Einflussgrößen, aus welcher das Kurzarbeitergeld bzw. die Entgeltdifferenz bestimmt wird. Dazu gehört das gesamte Bruttoarbeitsentgelt, sofern es §§ 342 ff. SGB III genügt und der Sozialversicherung unterworfen wird. Darin eingeschlossen sind auch Sachbezüge, welche durch den Arbeitgeber gegenüber seinen Beschäftigten geleistet werden. Ausgeschlossen bleiben von dieser Regelung allerdings Einmalzahlungen, da sie zu Benachteiligungen der Arbeitnehmer führen würden, sowie geleistete Mehrarbeit.

In gleicher Weise bleiben auch Entgeltwandlungen (in Höhe von bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung) für die Bestimmung des Sollentgeltes unberücksichtigt, die etwa Pensionszusagen, Unterstützungskassen und Direktversicherungen durch den Arbeitgeber betreffen – trotz des Charakters eines Entgeltanspruches. Vermögenswirksame Leistungen werden demgegenüber auf das Sollentgelt angerechnet (der Anspruch bliebt aber in vollem Umfang trotz Kurzarbeit bestehen).

Gegenüber Arbeitnehmern, deren Sollentgelt ohne Probleme bestimmt werden kann und die über ein konstantes Leistungsentgelt verfügen, kann gerade bei Akkordlöhnern das Entgelt starken Schwankungen unterworfen sein. In solchen Fällen wird zur Bestimmung des Sollentgeltes ein durchschnittliches Einkommen bestimmt. Als Referenzzeitraum dienen dabei die drei Monate vor dem Beginn der Kurzarbeit.

weitere Informationen: Sollentgelt »

ISTentgelt

Anders als bei der Bestimmung des Sollentgelts fließt beim Istentgelt die geleistete Mehrarbeit ein und wirkt sich damit für den Arbeitnehmer leistungsmindernd aus. Hier muss zusätzlich darauf verwiesen werden, dass auch die nichtgezahlten Mehrarbeitszuschläge durch die Bundesagentur für Arbeit berücksichtigt werden. Ursache ist das Bestreben, arbeitsrechtliche Ansprüche aus dem Kug auszuklammern. Daneben können auch sogenannte Bummeltage und unbezahlter Urlaub geltend gemacht werden – schließlich soll das Kurzarbeitergeld lediglich einen Arbeitsausfall aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten ausgleichen. Weiterhin haben auf die Berechnung des Istentgeltes auch andere Lohnersatzleistungen (wie etwa das Krankengeld) eine leistungsmindernde Wirkung. Zuschüsse des Arbeitgebers zum KUG, welche das Kurzarbeitergeld aufstocken, bleiben im Gegenzug aber beim Istentgelt unberücksichtigt (Wichtig: diese Zuschüsse dürfen nicht der Sozialversicherung unterworfen werden).

weitere Informationen: Istentgelt »

Mindestlohn- und Gehaltsgarantie

Sind in einem Unternehmen tarifvertraglich für die Kurzarbeit Mindestlöhne vereinbart wurden, entstehen Bedingungen, welche Auswirkungen auf das konjunkturelle KUG haben. Für den Fall, dass diese Garantien in einem Betrieb vorliegen, entsteht ein Widerspruch zu § 95 Nr. 1 SGB III. Die Folge ist eine Verweigerung des Kurzarbeitergeldes. Allerdings muss in diesem Zusammenhang zwischen allgemeinverbindlichen Tarifverträgen, welche die gesamte Belegschaft eines Unternehmens einschließen, und solchen unterschieden werden, die einzelne Beschäftigte ausklammern.

Letztere sind durchaus gegenüber dem Kurzarbeitergeld anspruchsberechtigt, was allerdings vor der Gewährung anhand der Angaben des Arbeitgebers zu prüfen ist.

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