Kurzarbeit und Nebenjob – Nebentätigkeit bei Kurzarbeitergeld

Kellner beim Servieren
Nebenjob während der Kurzarbeit

Für viele Arbeitnehmer bedeutet die Anordnung von Kurzarbeit zwar die Sicherung des Arbeitsplatzes, geht aber mit finanziellen Einbußen einher. Um die Einschnitte in der Lohntüte aufzufangen, lohnt sich der Griff zu einem Nebenjob – schließlich steht dank Kurzarbeit mehr Freizeit zur Verfügung.

Allerdings gilt es, durch den Arbeitnehmer einige Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Thema Nebenjob und Kurzarbeit zu beachten.

Die wichtigsten Fragen in Kürze

Wird mein Nebenjob bei Kurzarbeit angerechnet?

Grundsätzlich erhöht eine während der Kurzarbeit neu aufgenommene Nebentätigkeit das Istentgelt und schmälert so das Kurzarbeitergeld. Aufgrund der Corona-Pandemie gelten allerdings Ausnahmen des Hinzuverdienstes bis zum 31.12.2020 auf alle Einkommen und in der Zeit vom 01.01.2021 bis 31.12.2021 auf Einkommen aus einem Minijob – siehe auch Erleichterungen in Corona-Krise.

Wie viel kann man bei Kurzarbeit dazu verdienen?

Mit dem Einkommen aus dem Nebenjob und dem Kurzarbeitergeld (und gekürztem Gehalt aufgrund von Kurzarbeit) darf das reguläre Nettoeinkommen (Sollentgelt) nicht überschritten werden, welches vor Bezug des Kurzarbeitergeldes bezogen wurde.

Kann man bei Kurzarbeit woanders arbeiten?

Ja, auch während des laufenden Kurzarbeitergeldbezuges dürfen Beschäftigte auch einer weiteren Tätigkeit nachgehen. Wurde der Nebenjob bereits vor der Kurzarbeit aufgenommen, bleibt diese gänzlich anrechnungsfrei. Während der Kurzarbeit aufgenommene Tätigkeiten werden normalerweise auf das Kurzarbeitergeld angerechnet – allerdings gelten während der Corona-Pandemie bis zum 31.12.2021 die nachfolgenden Sonderregelungen.

Erleichterungen in Corona-Krise

Durch das Sozialschutzpaket II sind aufgrund der Corona-Krise vorübergehend vom 01.04.2020 bis 31.12.2020 Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld eingeführt worden. Nebeneinkommen aus in diesem Zeitraum aufgenommenen Nebenbeschäftigungen, egal ob Minijob oder eine zweite sozialversicheurngspflichtige Beschäftigung bleiben anrechnungsfrei und unterliegen auch nicht der Arbeitslosenversicherung.

Voraussetzung ist, dass das verkürzte Entgelt bei Kurzarbeit, zusammen mit dem Kurzarbeitergeld und dem Einkommen aus der Nebenbeschäftigung das ursprüngliche Entgelt vor Kurzarbeit nicht übersteigt. Mehr Infos unter Kurzarbeit in der Corona-Krise

Verlängerung bis zum 31.12.2021

Der Bundestag hat am 20.11.2020 die Corona-Erleichterungen teilweise verlängert, und zwar bis zum 31.12.2021. Ein Teil dieser erleichterten Corona-Regelungen betrifft auch die Nicht-Anrechnung von während der Kurzarbeit aufgenommenen Nebenbeschäftigungen. Hier beschränkt der Gesetzgeber die Nichtanrechnung des Hinzuverdienstes in der Zeit vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021 allerdings nur noch auf Minijobs (450-Euro-Jobs).

Nebenjob vor der Kurzarbeit ohne Auswirkungen

Aufatmen können Beschäftigte, die bereits vor der Anordnung über Kurzarbeit im Unternehmen des Hauptarbeitgebers eine Nebentätigkeit aufgenommen haben. In diesem Fall wird das Einkommen aus dem Nebenjob nicht auf das Ist-Entgelt angerechnet und hat damit auch keine Auswirkungen auf das Kurzarbeitergeld.

Erhöhung des Einkommens aus Nebentätigkeit

Erhöht sich das Einkommen im aus dem Nebenjob im laufenden Kurzarbeitergeld Zeitraum, der bereits vor der Kurzarbeit aufgenommen wurde, so ist diese Erhöhung ebenfalls nicht dem Istentgelt hinzuzuführen.

Nebenjob während Kurzarbeit erhöht Istentgelt

Die nachfolgenden Regelungen gelten aufgrund der Corona-Erleichterungen bis zum 31.12.2021 nur bedingt – siehe auch grüne Box oben.

Wer für die Dauer der Kurzarbeit einen (neuen) zusätzlichen Nebenjob antritt, muss mit einigen Besonderheiten rechnen. Der Verdienst aus einer Nebenbeschäftigung, ob nun in Form eines Angestelltenverhältnisses oder aufgrund einer selbständigen Tätigkeit bzw. Tätigkeit als mithelfender Familienangehöriger, wird auf das Istentgelt der Kurzarbeit in vollem Umfang angerechnet – ohne Abzug der gesetzlichen Abgaben (§ 106 Abs. 3 SGB III).

Weiterhin hat für das Nebeneinkommen ein schriftlicher Nachweis – sog. Nebeneinkommensbescheinigung gem. § 313 SGB III – zu erfolgen und darf durch den Arbeitnehmer nicht verschwiegen werden. Siehe auch Arbeitnehmer Pflichten bei Kurzarbeit.

Beispiel:

Wird im Rahmen der Kurzarbeit die Arbeitszeit halbiert und sinkt bspw. das reguläre Bruttoentgelt (Sollentgelt) damit von 2.800 EUR auf ein Istentgelt von 1.300 EUR, ergibt sich ein Kurzarbeitergeld beim erhöhten Leistungssatz und Lohnsteuerklasse III von 721,70 EUR.

Durch einen Nebenverdienst von 375 EUR pro Monat erhöht sich das Ist-Entgelt von 1.300 EUR jetzt auf 1.675 EUR, was zu einem reduzierten Kurzarbeitergeld von 518,02 EUR (anstatt 721,70 EUR) führt.

Schlussendlich kürzen 375 EUR aus dem Nebenjob das Kurzarbeitergeld um 203,68 EUR, so das dem Betroffenen effektiv 171,32 EUR aus dem Nebeneinkommen bleiben.

Nutzen Sie den Kurzarbeitergeld Rechner, um selbst herauszufinden, wie sich ein Nebeneinkommen auf das KUG auswirkt.

Aufnahme der Tätigkeit oder Arbeitsvertrag maßgeblich?

Der § 106 Abs. 3 SGB III besagt, dass der Nebenjob bereits vor Ankündigung der Kurzarbeit im Unternehmen aufgenommen worden sein muss. Hierbei ist aber umstritten, ob es sich um die erstmalige Aufnahme der Tätigkeit oder die Unterschrift des Arbeitsvertrages handeln muss. In der 4. Auflage des Kommentars von Klaus Niesen zum SGB III (C.H. Beck Verlag) steht zum § 106 Abs. 3 SGB III unter der Randziffer 25 geschrieben, dass mit der Aufnahme der Tätigkeit schon der Vertragsabschluss gemeint ist.

Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber

Führt der Arbeitnehmer für den Hauptarbeitgeber auch gleichzeitig eine Nebenbeschäftigung durch, z.b. neben der Hauptbeschäftigung noch einen 450 Euro Job in einem anderen Tätigkeitsfeld, so liegt sozialversicherungsrechtlich, ungeachtet der arbeitvertraglichen Regelung, ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor.

Es ist also das gesamte Einkommen als Istentgelt zu berücksichtigen. Dies ist besonders dann von Relevanz, wenn der Arbeitnehmer in einem Betriebsteil in Kurzarbeit geschickt wird und in dem anderen nicht, da zwingende Voraussetzung für die Kurzarbeit ein Entgeltausfall von mehr als 10 Prozent ist. Werden diese nicht erreicht, hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Lesen Sie auch: Mehrfachbeschäftigung beim Minijob

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Die Agentur für Arbeit darf Arbeitnehmern für die Dauer der Kurzarbeit eine Zweitbeschäftigung bzw. neue Dauerbeschäftigung vermitteln. Weigern sich die Beschäftigten, droht am Ende eine vorübergehende Sperrung des Kug.

Erstattungspflicht des Arbeitnehmers

Hat der Arbeitnehmer schuldhaft unterlassen, die erforderliche Mitteilung über die Nebentätigkeit nach § 60 Abs. 1 SGB I an Ausfalltagen anzuzeigen, so ist er zur Erstattung der zu Unrecht erhaltenen Leistungen verpflichtet. Diese ergeben sich aus dem zu niedrig bemessenen Istentgelt und erhöhen damit rechtswidrig das Kurzarbeitergeld.

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Letzte Aktualisierung: 21.11.2020