Nebenjob bei Kurzarbeit – Anrechnung auf Kurzarbeitergeld

Kellner beim Servieren
Nebenjob während der Kurzarbeit

Für viele Arbeitnehmer bedeutet die Anordnung von Kurzarbeit zwar die Sicherung des Arbeitsplatzes, geht aber mit finanziellen Einbußen einher. Um die Einschnitte in der Lohntüte aufzufangen, möchten viele zum Nebenjob greifen – schließlich steht dank Kurzarbeit mehr Freizeit zur Verfügung.

Allerdings muss der Arbeitnehmer einige Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit dem Thema Nebenjob bei Kurzarbeit beachten. Wir erklären nachfolgend, an was in dieser Situation gedacht werden muss.

Das Wichtigste in Kürze

Wird ein Nebenjob auf das Kurzarbeitergeld angerechnet?

Ein während der Kurzarbeit neu aufgenommener Nebenjob erhöht das Istentgelt und schmälert so das Kurzarbeitergeld. Aufgrund der Corona-Pandemie wird Einkommen aus 450 Euro Jobs bis zum 31.12.2021 nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet – siehe auch Erleichterungen in Corona-Krise.

Was darf man dazu verdienen bei Kurzarbeit?

Wurde der Nebenjob vor der Kurzarbeit begonnen gibt es keine Grenze des Zuverdiensts – das Einkommen wird nicht auf das KUG angerechnet. Wird der Nebenjob während der Kurzarbeit aufgenommen, darf das Gesamteinkommen (aus Nebenjob und Kurzarbeit) das eigentliche reguläre Nettoeinkommen ohne Kurzarbeit nicht überschreiten, sonst droht eine Anrechnung auf das KUG. Bis zum 31.12.2021 gilt für Minijobs vollständige Anrechnungsfreiheit beim KUG bis zur Grenze von 450 Euro, unabhängig vom Zeitpunkt des Tätigkeitsbeginns.

Kann ich bei Kurzarbeit einen 450 Euro Job machen?

Ja, auch während des laufenden Kurzarbeitergeldbezuges dürfen Beschäftigte einem 450 Euro Job nachgehen. Wurde dieser bereits vor der Kurzarbeit aufgenommen, bleibt er anrechnungsfrei. Während der Kurzarbeit aufgenommene Tätigkeiten werden normalerweise auf das Kurzarbeitergeld angerechnet – allerdings gilt während der Corona-Pandemie bis zum 31.12.2021 Anrechnungsfreiheit für Minijobs.

Erleichterungen in Corona-Krise

Durch das Sozialschutzpaket II sind aufgrund der Corona-Krise vorübergehend vom 01.04.2020 bis 31.12.2020 Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld eingeführt worden. Nebeneinkommen aus in diesem Zeitraum aufgenommenen Nebenbeschäftigungen, egal ob Minijob oder eine zweite sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bleiben anrechnungsfrei und unterliegen auch nicht der Arbeitslosenversicherung.

Voraussetzung ist, dass das verkürzte Entgelt bei Kurzarbeit, zusammen mit dem Kurzarbeitergeld und dem Einkommen aus der Nebenbeschäftigung das ursprüngliche Entgelt vor Kurzarbeit nicht übersteigt. Mehr Infos unter Kurzarbeit in der Corona-Krise.

Verlängerung bis zum 31.12.2021

Der Bundestag hat am 20.11.2020 die Corona-Erleichterungen teilweise verlängert, und zwar bis zum 31.12.2021. Ein Teil dieser erleichterten Corona-Regelungen betrifft auch die Nicht-Anrechnung von während der Kurzarbeit aufgenommenen Nebenbeschäftigungen. Hier beschränkt der Gesetzgeber die Nichtanrechnung des Hinzuverdienstes in der Zeit vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021 allerdings nur noch auf Minijobs (450-Euro-Jobs).

Nebenjob vor der Kurzarbeit ohne Auswirkungen

Aufatmen können Beschäftigte, die bereits vor der Anordnung über Kurzarbeit im Unternehmen des Hauptarbeitgebers eine Nebentätigkeit aufgenommen haben. In diesem Fall wird das Einkommen aus dem Nebenjob nicht auf das Ist-Entgelt angerechnet und hat damit auch keine Auswirkungen auf das Kurzarbeitergeld.

In unserem Berechnungsbeispiel bezieht ein Arbeitnehmer mit Lohnsteuerklasse III ein reguläres Bruttoentgelt in Höhe von 2.800 Euro. Die Anordnung von Kurzarbeit und Senkung der Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert das Istentgelt auf 1.300 Euro monatlich und ergibt ein Kurzarbeitergeld von 721,70 Euro.

Berechnungsbeispiel:

Istentgelt während Kurzarbeit1.300 Euro
Kurzarbeitergeld+721,70 Euro
Einkommen aus Nebenjob+375 Euro
Ungekürztes Gesamteinkommen=2.396,70 Euro

Erfahren Sie mehr zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes und den Unterschieden zwischen Istentgelt und Sollentgelt unter: Kurzarbeitergeld Berechnung, Istentgelt & Sollentgelt

Erhöhung des Einkommens aus Nebentätigkeit

Erhöht sich das Einkommen im Nebenjob, so ist diese Erhöhung ebenfalls nicht dem Istentgelt hinzuzuführen, wenn der Nebenjob bereits vor der Kurzarbeit aufgenommen wurde.

Nebenjob bei Kurzarbeit erhöht Istentgelt

Die nachfolgenden Regelungen gelten aufgrund der Corona-Erleichterungen bis zum 31.12.2021 nur für Nebentätigkeiten über die Grenze eines Minijobs hinaus (450 Euro) – siehe auch grüne Box oben.

Wer für die Dauer der Kurzarbeit einen (neuen) zusätzlichen Nebenjob antritt, muss mit einigen Besonderheiten rechnen. Der Verdienst aus einem Nebenjob bei Kurzarbeit, ob nun in Form eines Angestelltenverhältnisses oder aufgrund einer selbständigen Tätigkeit bzw. Tätigkeit als mithelfender Familienangehöriger, wird auf das Istentgelt der Kurzarbeit in vollem Umfang angerechnet – ohne Abzug der gesetzlichen Abgaben (§ 106 Abs. 3 SGB III).

Weiterhin hat für das Nebeneinkommen ein schriftlicher Nachweis – sog. Nebeneinkommensbescheinigung gem. § 313 SGB III – zu erfolgen und darf durch den Arbeitnehmer nicht verschwiegen werden. Siehe auch Arbeitnehmer Pflichten bei Kurzarbeit.

Beispiel:

Wird im Rahmen der Kurzarbeit die Arbeitszeit halbiert und sinkt bspw. das reguläre Bruttoentgelt (Sollentgelt) damit von 2.800 Euro auf ein Istentgelt von 1.300 Euro, ergibt sich ein Kurzarbeitergeld beim erhöhten Leistungssatz und Lohnsteuerklasse III von 721,70 Euro.

Durch einen Nebenverdienst von 375 Euro pro Monat erhöht sich das Ist-Entgelt von 1.300 Euro jetzt auf 1.675 Euro, was zu einem reduzierten Kurzarbeitergeld von 518,02 Euro (anstatt 721,70 Euro) führt.

Schlussendlich kürzen 375 Euro aus dem Nebenjob das Kurzarbeitergeld um 203,68 Euro, so das dem Betroffenen effektiv 171,32 Euro aus dem Nebeneinkommen bleiben.

Nutzen Sie den Kurzarbeitergeld Rechner, um selbst herauszufinden, wie sich ein Nebeneinkommen auf das KUG auswirkt.

Aufnahme der Tätigkeit oder Arbeitsvertrag maßgeblich?

Der § 106 Abs. 3 SGB III besagt, dass der Nebenjob bereits vor Ankündigung der Kurzarbeit im Unternehmen aufgenommen worden sein muss. Hierbei ist aber umstritten, ob es sich um die erstmalige Aufnahme der Tätigkeit oder die Unterschrift des Arbeitsvertrages handeln muss. In der 4. Auflage des Kommentars von Klaus Niesen zum SGB III (C.H. Beck Verlag) steht zum § 106 Abs. 3 SGB III unter der Randziffer 25 geschrieben, dass mit der Aufnahme der Tätigkeit schon der Vertragsabschluss gemeint ist.

Mehrere Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber

Führt der Arbeitnehmer für den Hauptarbeitgeber auch gleichzeitig eine Nebenbeschäftigung durch, z.B. neben der Hauptbeschäftigung noch einen 450 Euro Job in einem anderen Tätigkeitsfeld, so liegt sozialversicherungsrechtlich, ungeachtet der arbeitsvertraglichen Regelung, ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor.

Es ist also das gesamte Einkommen als Istentgelt zu berücksichtigen. Dies ist besonders dann von Relevanz, wenn der Arbeitnehmer in einem Betriebsteil in Kurzarbeit geschickt wird und in dem anderen nicht, da zwingende Voraussetzung für die Kurzarbeit ein Entgeltausfall von mehr als 10 Prozent ist. Werden diese nicht erreicht, hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Lesen Sie auch: Mehrfachbeschäftigung beim Minijob

Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Die Agentur für Arbeit darf Arbeitnehmern für die Dauer der Kurzarbeit eine Zweitbeschäftigung bzw. neue Dauerbeschäftigung vermitteln. Weigern sich die Beschäftigten, droht am Ende eine vorübergehende Sperrung des KuG.

Erstattungspflicht des Arbeitnehmers

Achtung: Hat der Arbeitnehmer schuldhaft unterlassen, die erforderliche Mitteilung über die Nebentätigkeit bei Kurzarbeit nach § 60 Abs. 1 SGB I an Ausfalltagen anzuzeigen, so ist er zur Erstattung der zu Unrecht erhaltenen Leistungen verpflichtet. Diese ergeben sich aus dem zu niedrig bemessenen Istentgelt und erhöhen damit rechtswidrig das Kurzarbeitergeld.

Titelbild: Romrodphoto / shutterstock.com

Zuletzt aktualisiert: 15.07.2021