Nettoentgeltdifferenz beim Kurzarbeitergeld

Die Nettoentgeltdifferenz wird aus dem pauschalierten Netto von Sollentgelt und Istentgelt ermittelt und ergibt das Kurzarbeitergeld. Wir erklären nachfolgend wie die Berechnung anhand der Tabellen der Bundesagentur für Arbeit funktioniert.

Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet Nettoentgeltdifferenz?

Die Nettoentgeltdifferenz ist die Differenz zwischen dem pauschalierten Netto des Sollentgelts und dem pauschalierten Netto des Istentgelts. Diese Differenz ist Bemessungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld.

Was ist ein pauschaliertes Nettoentgelt?

Das pauschalierte Nettoentgelt ist das Arbeitsentgelt, das nach rein rechnerischem Abzug von Sozialversicherungspauschale, Lohnsteuer und ggfs. Solidaritätszuschlag vom Bruttoentgelt bleibt. Die Abzüge erfolgen fiktiv bspw. um auf Grundlage des sich ergebenden Wertes den Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld zu ermitteln.

Wie berechnet sich Kurzarbeitergeld Beispiel?

Die Nettoentgeltdifferenz ergibt das Kurzarbeitergeld. Das pauschalierte Netto vom Istentgelt wird vom pauschalierten Netto vom Sollentgelt abgezogen.
Berechnungsbeispiel: 1.018,40 € (Soll) – 675,36 € (Ist) = 343,04 € (KUG)

Definition und Funktion der Nettoentgeltdifferenz

Die Nettoentgeltdifferenz definiert sich aus der Differenz zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt vom Sollentgelt und dem pauschalierten Nettoentgelt vom Istentgelt (§ 106 SGB III).

Diese ermittelte Differenz stellt die Höhe des Kurzarbeitergeldes dar, also das Geld, dass der Arbeitgeber von der Bundesagentur für Arbeit für einen in Kurzarbeit befindlichen Mitarbeiter erstattet bekommt. Das so ermittelte Kurzarbeitergeld kommt auf das Istentgelt des Mitarbeiters und ergibt das reduzierte Gesamtgehalt, das der Arbeitnehmer für die Zeit der Kurzarbeit von seinem Arbeitgeber bezieht.

Nettoentgeltdifferenz berechnen

Die Differenz aus dem pauschalierten Nettoentgelt vom Sollentgelt (Bruttoeinkommen vor der Kurzarbeit) und aus dem pauschalierten Nettoentgelt vom Istentgelt (Bruttoeinkommen während des Bezuges von Kurzarbeitergeld) bestimmt die Höhe des Kurzarbeitergeldes (KUG).

Dabei sind grundsätzlich zwei Leistungssätze zu unterscheiden. Arbeitnehmer mit Kindern erhalten einen Leistungssatz von 67% und kinderlose Arbeitnehmer erhalten einen Leistungssatz von 60%.

Der Leistungssatz berechnet sich anhand des pauschalierten Nettoentgelts, zu finden in der Tabelle der Bundesagentur für Arbeit. Dabei wird je nach Steuer- und Leistungsklasse (ob mit Kind oder ohne) in der jeweiligen Gehaltsspanne das pauschalierte Nettoarbeitsentgelt abgelesen. Die Differenz dieser beiden Pauschalbeträge ergibt das Kurzarbeitergeld.

Berechnungsbeispiel:

Arbeitnehmer mit Kind, Lohnsteuerklasse III, Sollentgelt 1.900 €, Istentgelt 1.250 €

Dies ergibt nun nach Tabelle der Bundesagentur für Arbeit die Rechnung:

1.018,40 € – 675,36 € = 343,04 €

Die 343,04 € sind somit das Kurzarbeitergeld für den Zeitraum des Anspruchs.

(Um das gesamte Einkommen des Arbeitnehmers während der Kurzarbeit zu errechnen, wird das Istentgelt addiert, sodass sich 1.593,04 € ergeben.)

Weiterführende Informationen zu Soll- und Istentgelt unter: Istentgelt & Sollentgelt

Erhöhung des Leistungssatzes bis 31.12.2021

Aufgrund der bereits lang andauernden Corona-Pandemie und damit verbundenen Kurzarbeit für viele Unternehmen hat der Gesetzgeber eine stufenweise Erhöhung des Kurzarbeitergeldes verabschiedet. Genauer hat sich dabei der Leistungssatz in Abhängigkeit von Arbeitsausfall und Dauer der Kurzarbeit erhöht:

  • ab dem 4. Monat: 70% für Arbeitnehmer ohne Kind, 77% für Beschäftigte mit Kind
  • ab dem 7. Monat: 80% für Arbeitnehmer ohne Kind, 87% für Beschäftigte mit Kind

Grundvoraussetzung ist ein Arbeitsausfall von mindestens 80%.

Anzeige

Die Bundesagentur hat entsprechende Tabellen veröffentlicht, aus denen sich die rechnerischen Leistungssätze ablesen lassen:

Nutzen Sie zur Ermittlung ihres Anspruchs auf Kurzarbeitergeld unseren Online-Rechner. Die erhöhten Leistungssätze für 2021 sind bereits berücksichtigt.

Lesenswert: Kurzarbeitergeld in der Corona-Krise

Kollektivrechtliche Beschäftigungssicherungsvereinbarungen

Wurden bereits vor der Kurzarbeit vorübergehende Änderungen der vertraglichen Arbeitszeit (Verminderungen der Arbeitszeit) als beschäftigungssichernde Maßnahmen durchgeführt, bleibt dies zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes unberücksichtigt. So werden Nachteile aus dieser vorangegangenen Verkürzung der Arbeitszeit verhindert.

Dies gilt nur, wenn die Änderungen im Rahmen einer kollektivrechtlichen Beschäftigungssicherungsvereinbarung erfolgt sind. Als vorübergehend sind Arbeitszeitverminderungen anzusehen, die binnen 18 Monaten vor Einführung der Kurzarbeit vorgenommen worden sind.

Lesen Sie auch unsere weiterführenden Informationen zu Kollektivvereinbarungen im Arbeitsvertrag.

Titelbild: Alexander Raths / shutterstock.com

Zuletzt aktualisiert 29.04.2021