Kurzarbeitergeld im Vergleich zum Arbeitslosengeld

Kurzarbeit – für viele Arbeitnehmer eine Nachricht, die existenzielle Ängste auslöst. Viele Betroffene setzen Kurzarbeit mit Arbeitslosigkeit gleich. Ist dieses Vorgehen aber nicht etwas voreilig? Schließlich bestehen zwischen Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld fundamentale Unterschiede, obwohl es sich in beiden Fällen um Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung handelt.

Wirklich Klarheit bringt an dieser Stelle nur ein Vergleich zwischen KUG und ALG I.

Das Wichtigste in Kürze

Welche Unterschiede zwischen Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld?

Bei Erhalt von Kurzarbeitergeld besteht ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Das bedeutet, dass weiterhin in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wird. Wird Arbeitslosengeld ausgezahlt, wird der eigene Versicherungsanspruch nicht ausgebaut, sondern nur vom bereits erworbenen Anspruch gezehrt.

Kurzarbeit oder arbeitslos – was ist besser?

Im Vergleich ist es für Arbeitnehmer besser Kurzarbeitergeld zu beziehen, da dabei weiterhin ein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis besteht, was den zukünftigen Versicherungsanspruch verbessern kann.

Gemeinsamkeiten zwischen KUG und ALG

Bei näherer Betrachtung zwischen Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld fallen zwei signifikante Gemeinsamkeiten auf.

Ähnlicher Leistungssatz

Erstens gleicht sich bei beiden die Anwendung des Leistungssatzes. Ähnlich dem ALG wendet die Arbeitsagentur zur Berechnung der fälligen Leistungen den allgemeinen bzw. erhöhten Leistungssatz von 60/67 Prozent an.

Übrigens: Bis Ende 2021 gilt eine stufenweise Erhöhung des Satzes für das KUG in Abhängigkeit von Ausmaß und Dauer der Arbeitsausfalls auf 70/77 Prozent oder 80/87 Prozent.

Alles zu den geltenden Leistungssätzen beim KUG: Kurzarbeitergeld Höhe & Berechnung
Alles zum geltenden Leistungssatz beim ALG: Arbeitslosengeld-Berechnung

Sperrzeiten möglich

Weiterhin müssen Arbeitnehmer unter Umständen eine Sperrzeit in Kauf nehmen, sofern sie sich weigern, eine angebotene Beschäftigung ohne triftigen Grund anzunehmen.

Damit erschöpft sich allerdings die Liste der Gemeinsamkeiten zwischen KUG und Arbeitslosengeld.

Unterschiede zwischen ALG und Kurzarbeitergeld

Betrachtet man KUG und ALG, fällt eine große Zahl an Unterschieden auf.

Bezugsdauer

So liegt die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes bei sechs Monaten, nach neuer Regelung bei 18 Monaten (kann sogar bis auf 24 Monate ausgedehnt werden) und wird für jeden Arbeitnehmer ausgezahlt.

Detaillierte Informationen zur Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes unter Maximale Bezugsdauer beim Kurzarbeitergeld.

Arbeitslosengeld wird dagegen in Abhängigkeit von der Beschäftigungszeit (Anwartschaftszeit) und dem Alter der Bezugsberechtigten über einen unterschiedlich langen Zeitraum gewährt (maximal jedoch bis 24 Monate).

Weiterführende Informationen zur Anspruchsdauer finden Sie unter Arbeitslosengeld – Dauer des Anspruchs.

Zuständigkeit

Zudem ist beim KUG nicht der Arbeitnehmer für den Antrag auf Kurzarbeitergeld verantwortlich, sondern das Unternehmen und damit der Arbeitgeber – was natürlich im krassen Gegensatz zum Arbeitslosengeld steht. Hier wird der Arbeitsuchende mit der Arbeitslosmeldung in die Pflicht genommen.

Bemessungsgrundlage

Weitere Unterschiede ergeben sich auch bei der Bemessungsgrundlage zwischen ALG (die letzten 12 Monate der versicherungspflichtigen Beschäftigung) und Kurzarbeitergeld (Nettoentgeltdifferenz pro Kalendermonat).

Ein Berechnungsbeispiel zur Ermittlung der Höhe des Kurzarbeitergeldes finden Sie unter Höhe des Kurzarbeitergeldes berechnen.

Mehr zur Bemessungsgrundlage beim ALG im Detail unter Bemessungsgrundlage und Bemessungszeitraum.

Stellung auf dem Arbeitsmarkt

Die wohl wichtigsten Unterschiede betreffen aber die Stellung des Arbeitnehmers für den Arbeitsmarkt. Während beim Arbeitslosengeld die Betroffenen keiner versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen und von den erworbenen Ansprüchen gegenüber der Arbeitslosenversicherung zehren, bauen Empfänger von Kurzarbeitergeld weiterhin ihre Versicherungsansprüche aus.

Am Ende kann dies sogar zu einer deutlichen Verbesserung der Situation nach dem Ende der Kurzarbeit führen. Zusätzlich wird natürlich auch weiterhin die geleistete Arbeitszeit durch den Arbeitgeber im gewohnten Umfang vergütet.

Fazit

Im direkten Vergleich schneidet Kurzarbeitergeld gegenüber dem Arbeitslosengeld in jedem Fall besser ab, da finanzielle Einschnitte (solange die Arbeitszeit nicht zu 100 Prozent reduziert wird) hier weniger deutlich ausfallen und Betroffene auch weiterhin einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. Vor diesem Hintergrund ist für den Arbeitnehmer der Griff zur Kurzarbeit immer noch das kleinere Übel – trotz finanzieller Einbußen.

Detaillierte Informationen zum Thema Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld finden Sie in unserem Ratgeber Kurzarbeit & Kurzarbeitergeld (KUG).

Möchten Sie sich im Detail über Arbeitslosengeld informieren, bieten wir Ihnen im Ratgeber Arbeitslosengeld I – ALG 1 weiterführende Informationen dazu an.

Titelbild: Marcus Krauss/ shutterstock.com

Zuletzt aktualisiert: 20.07.2021