Anwartschaftszeit für den Bezug von Arbeitslosengeld

Anwartschaftszeit Arbeitslosengeld

Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, muss der Antragsteller innerhalb der sogenannten Rahmenfrist die vorgesehenen Anwartschaftszeiten nach § 142 SGB III erfüllt haben.

Ohne Erfüllung der „Regelanwartschaftszeit“ kann aber auch Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen, nämlich dann, wenn die sogenannte „Kurze Anwartschaftszeit“ erfüllt ist.

Das Wichtigste in Kürze

Was ist die Anwartschaftszeit?

Die Anwartschaftszeit ist die zu erfüllende Zeit unter Berücksichtigung bestimmter Bedingungen, die ein Antragsteller für Anspruch auf Arbeitslosengeld benötigt.

Was ist eine Anwartschaftszeit zum Arbeitslosengeld?

Um ALG1 beziehen zu können, muss der Leistungsbezieher zuvor mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein. Alternativ kann auch die kurze Anwartschaftszeit mit einer mindestens 6-monatigen Beschäftigungsdauer zum Bezug von Arbeitslosengeld berechtigen.

Was bedeutet kurze Anwartschaftszeit?

Die kurze Anwartschaftszeit besteht, wenn ein Antragsteller die Regelanwartschaftszeit von 12 Monaten Beschäftigung nicht erfüllt, aber mindestens sechs Monate versicherungspflichtig beschäftigt war und das erzielte Bruttoarbeitsentgelt die Bezugsgröße nicht überschreitet.

Rahmenfrist zur Erfüllung der Anwartschaftszeit

Die Rahmenfrist ist in § 143 SGB III geregelt und beträgt 30 Monate. Sie beginnt mit dem Tag der Arbeitslosmeldung beim Jobcenter. Rahmenfristen können sich generell nicht überschneiden, was bedeutet, dass die Frist von 30 Monaten immer ab Meldung beim Jobcenter neu beginnt.

Verlängerung möglich

Sofern der Antragsteller Übergangsgeld eines Rehabilitationsträgers (bspw. während medizinischer oder beruflicher Reha) bezogen hat, kann sich die Rahmenfrist auf bis zu fünf Jahre verlängern.

Regelanwartschaftszeit

Die Regelanwartschaftszeit ist erfüllt, wenn der Antragsteller innerhalb der Rahmenfrist (30 Monate) Zeiten nach der unten stehenden Aufzählung mit einem Umfang von mindestens 12 Monaten nachweisen kann.

Hinweis: Zur korrekten Berechnung der Anwartschaftszeiten ist zu beachten, dass ein Monat 30 Tagen und demnach ein Jahr 360 Tagen (6 Monate 180 Tagen) entspricht.

Zu berücksichtigende Zeiten

Zur Erfüllung der Anwartschaftszeit führen insbesondere Zeiten, in denen eine der folgenden Situationen vorgelegen hat:

  • Zeiten, in denen der Antragsteller versicherungspflichtig beschäftigt war.
  • Zeiten, in denen der Antragsteller in einem EU-Mitgliedstaat, einem EWR-Mitgliedstaat oder der Schweiz beitragspflichtig beschäftigt war. Dies gilt nur, wenn der Antragsteller zuletzt in Deutschland versicherungspflichtig beschäftigt war.
  • Zeiten, in denen der Antragsteller Wehrdienstleistender oder Zivildienstleistender war.
  • Zeiten, in denen wegen des Bezugs von Mutterschaftsgeld, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld oder Übergangsgeld Beiträge zur Agentur für Arbeit zu entrichten waren.
  • Zeiten, in denen der Antragsteller eine Rente wegen voller Erwerbsminderung von einem Träger der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten hat. Dies gilt nur, wenn der Antragsteller direkt vor der Kindererziehungszeit versicherungspflichtig beschäftigt war oder eine laufende Entgeltersatzleistung gemäß dem SGB III bezogen hat.
  • Zeiten in denen der Antragsteller ein Kind, das noch nicht das dritte Lebensjahr vollendet hat, erzogen hat. Dies gilt nur, wenn der Antragsteller direkt vor der Kindererziehungszeit versicherungspflichtig beschäftigt war oder eine laufende Entgeltersatzleistung gemäß dem SGB III bezogen hat.
  • Zeiten, in denen der Antragsteller freiwillig weiterversichert war.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat vier Jahre in einem deutschen Unternehmen gearbeitet. Nachdem er gekündigt wurde möchte er nun Arbeitslosengeld beantragen. Da er über 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt war, kann er Arbeitslosengeld beantragen.

Weiterführende Informationen zur Meldung bei der Arbeitsagentur finden Sie unter Arbeitslosmeldung und Antrag.

„Kurze Anwartschaftszeit“

Erfüllt der Antragsteller die Regelanwartschaftszeit nicht, kommt ein Anspruch aufgrund der Erfüllung der sogenannten „Kurzen Anwartschaftszeit“ in Betracht.

Voraussetzungen

Die kurze Anwartschaftszeit gilt als erfüllt, wenn aufseiten des Antragstellers alle folgenden Voraussetzungen vorliegen und dies gegenüber der Bundesagentur für Arbeit dargelegt und nachgewiesen wird.

  1. Innerhalb der Rahmenfrist muss der Antragsteller für mindestens sechs Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben.
  2. Hierbei muss es sich überwiegend um Beschäftigungsverhältnisse gehandelt haben, die von vornherein auf nicht mehr als sechs Wochen befristet waren.
  3. Der Antragsteller darf in den vergangenen zwölf Monaten vor dem letzten Tag der letzten Beschäftigung ein Bruttoarbeitsentgelt in Höhe der Bezugsgröße nach § 18 Abs. 1 SGB IV nicht überschritten haben. Die Bezugsgröße entspricht ab 01.01.2021 einem jährlichen Betrag von 39.480 Euro in den alten und 37.380 Euro in den neuen Bundesländern.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer wurde gekündigt, nachdem er 9 Monate für sein Unternehmen gearbeitet hat. Zuvor war er bereits arbeitssuchend. Da er die Regelanwartschaftszeit von 12 Monaten versicherungspflichtiger Beschäftigung nicht erfüllt, gilt für ihn die kurze Anwartschaftszeit. Für 9 Monate Beschäftigung stehen ihm 4 Monate Arbeitslosengeld zu.

Wie lange Ihnen Arbeitslosengeld zusteht, können Sie im Detail gestaffelt nach der Dauer des Beschäftigungsverhältnisses bei erfüllter Regelanwartschaftszeit und erfüllter kurzer Anwartschaftszeit unter Arbeitslosengeld – Dauer des Anspruchs nachlesen.

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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2021