Istentgelt beim Kurzarbeitergeld

Das Istentgelt bei Kurzarbeit spielt eine entscheidende Rolle zur Ermittlung des Kurzarbeitergeldes. Zum Istentgelt zählt das während der Kurzarbeit erzielte Arbeitsentgelt, das durch den Arbeitsausfall geringer ausfällt als das Sollentgelt.

Das Wichtigste in Kürze

Was zählt zum Istentgelt?

Bei der Berechnung des Istentgeltes zählt das tatsächlich erzielte Einkommen unter Berücksichtigung von Entgelt für Mehrarbeit (Überstunden). Einmalzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld gehören nicht dazu.

Wie berechnet sich das Istentgelt?

Zur Berechnung des Istentgelts wird der Stundenlohn mit den tatsächlich geleisteten Stunden multipliziert. Bei einem Stundenlohn von 12,50 € und 110 Stunden ergeben sich 1.375 € Istentgelt. Liegt ein Festgehalt vor muss der Stundenlohn zuvor ermittelt werden.

Ist Entgelt höher als Sollentgelt?

Das Istentgelt darf nicht höher als das Sollentgelt sein, auch mit Nebenverdiensten und Kurzarbeitergeld nicht. Nicht auf das Istentgelt angerechnet werden aber generell Nebenjobs, die vor der Kurzarbeit begonnen wurden und 450 €-Jobs auch bei Beginn während der Kurzarbeit (gültig bis 31.12.2021).

Definition Istentgelt

Zum Istentgelt zählt das im jeweiligen Anspruchszeitraum tatsächlich erzielte, beitragspflichtige Einkommen einschließlich der Entgelte für Mehrarbeit (Überstunden).

Wichtig: Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld etc. werden nicht berücksichtigt, da sie eine Benachteiligung darstellen würden.

Istentgelt berechnen

Um das Istentgelt zu berechnen ist wichtig, wie die Vergütung des Arbeitnehmers erfolgt – nach Festgehalt oder auf Stundenbasis?

Berechnung nach Stunden

Hat der Arbeitnehmer eine Abrechnung nach Stunden, ist die Ermittlung des Istentgeltes unproblematisch, da einfach die geleisteten Stunden mit dem Stundenlohn multipliziert werden.

Bei den geleisteten Stunden handelt es sich nicht um die vertraglich vereinbarte Stundenzahl, sondern die tatsächlich erzielten, durch Arbeitsausfall bedingten Stunden.

Beispiel: 110 (Stunden im Monat) x 12,50 Euro (Stundenlohn) = 1.375 Euro Istentgelt

Berechnung nach Festgehalt

Hat der Arbeitnehmer hingegen ein Festgehalt, so muss aus diesem Festgehalt zuerst der Stundenlohn ermittelt werden.

Beispiel:

Hierzu wird in der Praxis folgende Formel verwendet:

Anzahl der Wochenstunden x 13 Wochen / 3 Monate = monatliche Stunden

Wenn wir nun Zahlen in diese Formel eintragen, so ergibt sich folgende Berechnung:

40 Wochenstunden x 13 Wochen / 3 Monate = 173,33 Stunden monatlich

Bei einem Festgehalt von bspw. 2.500 € kommt ein Stundenlohn von 14,42 € heraus.

Dieser Stundenlohn wird mit den tatsächlich geleisteten Stunden multipliziert:

14,42 € x 110 (Stunden reduzierte Stunden monatlich) = 1.586,20 € Istentgelt

Dem Istentgelt gegenüber steht das Sollentgelt, das ohne Arbeitsausfall durch Kurzarbeit erzielt worden wäre. Lesen Sie dazu weiterführend alle Informationen. In diesem Zusammenhang ist auch die Nettoentgeltdifferenz erwähnenswert, die zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes dient.

Nachzahlung aus vergangenen Monaten

Erhält der Arbeitnehmer während des Bezuges von Kurzarbeitergeld Nachzahlungen aus korrigierten Lohnabrechnungen für vergangene Zeiträume, so sind diese dem Istentgelt nicht hinzuzurechnen.

Achtung: Ist es hingegen im Betrieb üblich, dass erarbeiteter Lohn (variable Lohnbestandteile) im Folgemonat ausgezahlt wird, so werden diese wiederum auf das Istentgelt zur Ermittlung des Kurzarbeitergeldes hinzugerechnet.

Keine Anrechnung von Nebeneinkommen auf das Istentgelt bis 31.12.2021

Der Bundestag hat am 20.11.2020 die Corona-Erleichterungen teilweise bis zum 31.12.2021 verlängert. Ein Teil dieser erleichterten Corona-Regelungen betrifft die Nicht-Anrechnung von während der Kurzarbeit aufgenommenen Nebenbeschäftigungen. Hier beschränkt der Gesetzgeber die Nichtanrechnung des Hinzuverdienstes in der Zeit vom 01.01.2021 bis zum 31.12.2021 allerdings nur noch auf Minijobs (450-Euro-Jobs).

Details dazu lesen Sie unter Nebenjob bei Kurzarbeit.

Mehrarbeitszuschläge (Zuschläge für Überstunden)

Zuschläge für Überstunden werden beim Istentgelt hinzugerechnet.

Achtung: Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Mehrarbeitszuschläge tatsächlich gezahlt werden oder nicht. Wird eine Auszahlung der Mehrarbeitszuschläge nicht vorgenommen, obwohl der Arbeitnehmer einen arbeitsrechtlichen Anspruch darauf hat, werden diese Zuschläge für die Überstunden fiktiv dem Istentgelt hinzugerechnet.

Dies hat den Hintergrund, dass wenn die nicht gezahlten Überstundenzuschläge, auf die der Arbeitnehmer Anspruch hat, nicht angerechnet würden, die Agentur für Arbeit die arbeitsrechtlichen Ansprüche ausgleichen würde, wofür sie nicht zuständig ist.

Aus diesem Grund schließt der Gesetzgeber dies mit dem § 106 Abs. 1 Satz 3 SGB III aus, in dem es heißt: „(…)zuzüglich aller ihm zustehenden Entgeltanteile.“

Erhöhung des Istentgelts durch unbezahlten Urlaub bzw. Bummeltage

Da das Kurzarbeitergeld nur den Teil des Lohns ausgleichen soll, bei dem der Entgeltausfall auf einem Arbeitsausfall nach § 96 Abs. 1 SGB III (und nicht auf anderen als wirtschaftlichen Gründen) basiert, wird das Entgelt, das der Arbeitnehmer an den Tagen für unbezahlten Urlaub bzw. Bummeltag erzielt hätte, auf das Istentgelt angerechnet.

Der Arbeitgeber muss das Istentgelt um diese Beträge erhöhen. So werden die Entgeltausfälle, die nicht auf wirtschaftlichen Gründen basieren, in Bezug auf das Kurzarbeitergeld neutralisiert.

Krankengeld – Erhöhung des Istentgeltes

Wird im Anspruchszeitraum von Kurzarbeitergeld Krankengeld nach den § 44 SGB V (Krankengeld aufgrund von Arbeitsunfähigkeit) sowie § 45 SGB V (Krankengeld bei Erkrankung des Kindes) gezahlt, so ist das Istentgelt entsprechend des § 106 Abs. 2 SGB III zu erhöhen.

Wichtig: Dies ist nur der Fall, wenn die Arbeitsunfähigkeit während des Bezuges von Kurzarbeitergeld eintritt.

Nicht bei Krankheit vor Anspruch auf Kurzarbeitergeld

Trat die Arbeitsunfähigkeit vor dem Anspruchszeitraum auf Kurzarbeitergeld ein, so wird das Istentgelt nicht erhöht.

Das Krankengeld tritt an die Stelle des Kurzarbeitergeldes und ist vom Arbeitgeber kostenlos auszurechnen und auszuzahlen.

Allgemeine Informationen zum Thema Krankengeld können Sie in unserem Ratgeber zum Krankengeld nachlesen.

Istentgelt bei Kündigung und Aufhebungsvertrag

Erhalten gekündigte Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis durch einen Aufhebungsvertrag aufgelöst wurde, an Kurzarbeitstagen einen verminderten Lohn, der auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes reduziert wurde oder erhalten gar kein Arbeitsentgelt, so ist das Istentgelt um den gekürzten Betrag zu erhöhen. Das Sollentgelt bleibt hiervon unverändert.

Alles rund um das Thema Aufhebungsverträge finden Sie in unserem Artikel Aufhebungsvertrag.

Istentgelt bei Entgeltzahlung an Feiertagen

Wurde das Entgelt für Feiertage bei Kurzarbeit auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes reduziert, kann das Istentgelt ermittelt werden, wenn es um den (Differenz-) Betrag erhöht wird, den der Arbeitnehmer regulär für diesen Feiertag erhalten hätte. Das Sollentgelt bleibt hierbei unverändert.

Alternativ kann auch (bei unverändertem Istentgelt) das Sollentgelt entsprechend der Kürzung des Arbeitsentgeltes durch die Lohnzahlung an Feiertagen vermindert werden.

Konsequent bei einer Methode bleiben

Es spielt also keine Rolle, ob das Istentgelt erhöht oder das Sollentgelt vermindert wird. Bei der Berechnung der Steuern im Progressionsvorbehalt können sich aber durch die verschiedenen Berechnungsmethoden geringe Differenzen ergeben.

Hat man sich einmal für eine Methode entschieden, so ist diese auch für die gesamte Dauer der Kurzarbeit einzuhalten.

Arbeitgeber Zuschuss zum Kurzarbeitergeld

In bestimmten Branchen ist es tarifvertraglich vereinbart, dass der Arbeitgeber einen Zuschuss (bis zu einem bestimmten Prozentsatz) zum Kurzarbeitergeld zahlt, also als Aufstockung unter Anrechnung des Kurzarbeitergeldes.

Ist kein Tarifvertrag vorhanden, kann der Arbeitgeber einen Zuschuss zahlen – muss es aber nicht. Hierbei handelt es sich dann um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers.

Zuschuss ist steuerpflichtiges Einkommen

Diese Aufstockungsbeträge werden gemäß § 106 Abs. 2 Satz 2 SGB III nicht zum Istentgelt hinzugerechnet. Diese Zuschüsse sind zwar nach 2 Nr. 4 EStG steuerpflichtiges Einkommen bzw. steuerpflichtiger Arbeitslohn, unterliegen allerdings nicht der Sozialversicherungspflicht.

Der Arbeitgeber muss diese also in der Lohnsteuerbescheinigung (Zeile 15) ausweisen, muss aber keine Beiträge auf den Zuschuss zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen.

Vorübergehende Änderung aufgrund der Corona-Pandemie

Um die Folgen der Corona Pandemie abzumildern, wurden die Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld des Arbeitgebers mit dem Corona-Steuerhilfegesetz vorübergehend – im Zeitraum vom 01.03.2020 bis 31.12.2021 steuerfrei gestellt. Allerdings unterliegt der Zuschuss dann dem Progressionsvorbehalt. Hierzu wird entsprechend der § 3 EStG um die Nummer 28a. ergänzt. Hierzu heißt es im Gesetzesentwurf der Bundesregierung:

Entsprechend der sozialversicherungsrechtlichen Behandlung werden Zuschüsse des Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis 80 Prozent des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt nach § 106 des Dritten Buches Sozialgesetzbuches steuerfrei gestellt.

Lesenswert dazu: Progressionsvorbehalt sorgt für Steuernachzahlung

Höhe des Zuschusses im Arbeitsvertrag vermerken

Damit der Arbeitgeberzuschuss auch als Zuschuss unter Anrechnung des Kurzarbeitergeldes gedeutet werden kann, sollte im Arbeitsvertrag bzw. im Tarifvertrag vermerkt sein, bis zu welcher Höhe des Gehaltes dieser Zuschuss geleistet wird (z.B. „bis zur Höhe des üblichen Bruttogehaltes/Nettogehaltes“ oder „bis 95% des üblichen Nettogehaltes“ etc.).

Weiterführende Informationen zu Zuschüssen können Sie unter Lohnzuschläge und Sonderzahlungen im Arbeitsvertrag nachlesen.

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Zuletzt aktualisiert: 07.09.2021